Zahnmedizinische Operationen bei hämophilen Patienten sicher durchführbar

Zahnmedizinische Operationen bei hämophilen Patienten sicher durchführbar

20.01.15

Blutungen, Operation

BEER SHEVA (Biermann) – Forscher haben die Erfahrungen einer israelischen Klinik  mit den zahnmedizinischen Operationen hämophiler Patienten aus den Jahren 1996–2012 ausgewertet. Die Daten umfassten die Krankengeschichte und den Schweregrad der Hämophilie, die Therapie mit Faktorkonzentrat rund um die Operation, die lokale Applikation blutstillender Substanzen, die Einnahme von Tranexamsäure und das Therapieergebnis. Untersucht wurden 1.968 zahnmedizinische Eingriffe bei 125 Patienten.

Als Blutung definierten die Autoren um N. Givol vom Soroka University Medical Center, Beer Sheva,  übermäßiges Bluten während des Eingriffs oder in den 20 Tagen danach. 34 Patienten, die sich insgesamt 880 Eingriffen mit hohem Risiko und 1.088 Eingriffen mit niedrigem Risiko unterzogen, erlitten nach dem Eingriff 40 Blutungsereignisse, die eine weitere zahnmedizinische und/oder hämatologische Maßnahme erforderlich machten.

Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Fibrinkleber und dem Risiko für Blutungen nach dem Eingriff, da dieser Kleber bei Patienten bzw. Eingriffen mit hohem Risiko zur Anwendung kam.

Ein weiter zurückliegender Behandlungszeitpunkt, eine stationäre Aufnahme nach dem Eingriff und zahnmedizinische Eingriffe mit „hohem Risiko“ gingen ebenfalls mit einem erhöhten Blutungsrisiko einher.

Patienten mit Hämophilie könnten sicher behandelt werden, wenn eine sorgfältige Blutstillung eingesetzt werde, nebst Fibrinkleber und systemischer Therapie nach Bedarf, lautete das Fazit der Autoren. Faktor-Infusionen seien nicht zwingend. Sie sollten unter Berücksichtigung des Risikos, das mit dem Eingriff verbunden ist, und dem berechneten Risiko des Patienten für Blutungen eingesetzt werden.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 04.12.2014 (Early View)
dx.doi.org/10.1111/hae.12573