Wundheilung bei Gerinnungsstörungen: Eigenes Fettgewebe offenbar geeignet

Wundheilung bei Gerinnungsstörungen: Eigenes Fettgewebe offenbar geeignet

09.10.15

Blutungen, Forschung

BUENOS AIRES (Biermann) – Wissenschaftler aus Argentinien haben anscheinend einen neuen Weg gefunden, um schwierigen Wunden bei Menschen mit Hämophilie beizukommen.

Die Wundheilung sei ein komplizierter Prozess, in dem sich die Haut nach einer Verletzung einer spezifischen Sequenz folgend selbst repariere, schildern Horacio A. Caviglia und seine Kollegen in der Fachzeitschrift „Haemophilia“ zum Hintergrund ihrer Studie: Blutstillung (Hämostase), Entzündung, Zellvermehrung (Proliferation) und Remodellierung. Die Zelltherapie besitze das Potenzial, die Wundheilungsbedingungen zu verbessern und könne sowohl bei akuten als auch bei chronischen Wunden angewandt werden.

Ein normaler Heilungsprozess erfordert eine adäquate hämostatische Funktion. Bei Patienten mit Gerinnungsstörungen, bei denen diese verändert ist, verlaufe die Heilung möglicherweise nicht auf normalem Weg, so die Forscher.

Daher suchten sie nach einer einfachen, sicheren und minimalinvasiven Technik zur Wundheilung bei Patienten mit Gerinnungsstörungen. Ihr Plan: der Einsatz von patienteneigenen, konzentrierten Fettzellen.

In ihre Studie an der „Foundation of Haemophilia“ im argentinischen Buenos Aires nahmen sie sechs Patienten auf, darunter fünf mit schwerer Hämophilie A und einer mit schwerer Von-Willebrand-Erkrankung. Ein Patient hatte eine eingezogene Narbe und fünf litten unter Hautfisteln – dabei handelt es sich um schmale Gänge unter der Haut, die sich eitrig entzünden.

Per Absaugung wurde ein autologes (= vom Patienten selbst stammendes) Transplantat aus dem Fettgewebe unter der Haut im Bauchbereich gewonnen. Das abgesaugte Material wurde zentrifugiert und die konzentrierten Fettzellen mit einer Spritze an der Kante der Läsion injiziert.

Pro Patient erfolgte eine Fettabsaugung. Komplikationen während oder nach der Operation traten bei keinem der sechs Patienten auf.

„Die Anwendung eines autologen Fetttransplantates stellt bei Patienten mit Gerinnungsstörungen eine einfache und sichere Behandlung zur Heilung schwieriger Wunden dar”, schlussfolgern die Wissenschaftler.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 20. September 2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12804