Wenn bei Hämophilie die Hüfte schmerzt

Wenn bei Hämophilie die Hüfte schmerzt

27.04.17

Arthropathie, Operation, Schmerzen

FLORENZ (Biermann) – Leiden hämophile Patienten unter Gelenkschäden an der Hüfte (Arthropathie), beeinträchtigt dies die Hüfte an sich sowie andere häufig betroffene Zielgelenke. Christian Carulli, Anna Rosa Rizzo und Massimo Innocenti – alle von der Universität Florenz – haben sich in einem Artikel im „Journal of Clinical Medicine“ damit befasst, welche Behandlungsoptionen heutzutage bei einer Arthropathie der Hüfte bei Hämophilie bestehen.

Selbst wenn Blutungen in die Hüfte nicht häufig aufträten, könnten jedoch Veränderungen an Hüftkopf und -pfanne die Funktionsfähigkeit der Patienten schon in sehr jungen Jahren beeinträchtigen, schreiben die Wissenschaftler. Als entscheidend, um eine solche Arthropathie zu vermeiden, sehen sie die hämatologische Prophylaxe kombiniert mit einem adäquaten Lebensstil und regelmäßiger Bewegung mit geringer Verletzungsgefahr.

In den frühen Stadien könnten anti-entzündliche Medikamente und Physiotherapie ausreichen, um dem Fortschreiten der Arthropathie vorzubeugen. Treten die Symptome immer wieder auf, könnten die Injektion von Hyaluronsäure in das Gelenk  (Viskosupplementation) und die chemische Zerstörung der Gelenkschleimhaut (Chemosynoviorthese) sinnvolle Optionen darstellen. In weiter fortgeschrittenen Stadien könnte die Hüft-Arthropathie mittels Entfernung der Gelenkschleimhaut (Synovektomie) oder der Entfernung loser Partikel behandelt werden.

In den Spätstadien komme man hingegen um den Ersatz des Hüftgelenks nicht herum, so Carulli und seine Kollegen. Bis vor ein paar Jahrzehnten seien die klinischen Ergebnisse nach dem Hüftgelenksersatz unterschiedlich ausgefallen, Gründe seien eine unterschiedliche Behandlung der Patienten und der Einsatz von Implantaten und Kupplungen der alten Generation gewesen.

Im vergangenen Jahrzehnt hätten die Einführung der multidisziplinären Behandlung und der Einsatz moderner zementloser Implantate mit Hochleistungsmaterialien und weniger invasiven Operationstechniken die funktionellen Resultate dramatisch verbessert.

Wie bei anderen Zielgelenken diene die Behandlung an Hämophilie-Zentren auch der Früherkennung jeglicher Veränderungen an der Hüfte – sei es durch klinische oder Ultraschall-Untersuchungen der Patienten im Kindesalter – um Gelenkschäden früh aufzudecken und im Fall von Symptomen eine adäquate Behandlung zu bieten, schließen die drei Autoren.

Quelle: J Clin Med. 2017 Apr 8;6(4). pii: E44; dx.doi.org/10.3390/jcm6040044