Wehret den Anfängen: Lebensqualität sinkt erst mit zunehmenden Gelenkschäden

Wehret den Anfängen: Lebensqualität sinkt erst mit zunehmenden Gelenkschäden

12.12.16

Blutungen, Gesundheit

UTRECHT (Biermann) – Wie hängen bei Hämophilie die Schädigung der Gelenke durch Blutungen und die gesundheitsassoziierte Lebensqualität  zusammen? Dieser Frage gingen niederländische Wissenschaftler um Kathelijn Fischer vom Universitair Medisch Centrum Utrecht nach. Dabei fanden sie heraus, dass die Lebensqualität erst ab einem Pettersson-Score über 21 Punkten deutlich litt. Dies spreche dafür, dass sich frühe Gelenkveränderungen relativ wenig auf die gesundheitsassoziierte Lebensqualität auswirken.

Der Pettersson-Score ist ein Maß für die im Röntgenbild sichtbaren Gelenkschäden: Er verfügt über eine Spanne von 0-78 Punkten, wobei 0 das Optimum darstellt.

Die Forscher hatten sich ausgefüllte Fragebögen zur Lebensqualität – den sogenannten SF36-Fragebogen – von Patienten mit schwerer/moderater Hämophilie angesehen und die Auswertungen in Bezug zu Röntgenbildern von Sprunggelenken, Knien und Ellbogen gesetzt, die in einem Zeitraum von 2,5 Jahren entstanden waren.

Insgesamt wurden 176 Beurteilungen analysiert, 130 aus der niederländischen Van Creveldkliniek und 46, die aus einer französischen Studie stammten. Die meisten Patienten (89,9%) litten unter schwerer Hämophilie. Sie waren zwischen 15,7 und 65,8 Jahre alt, wobei das durchschnittliche Alter bei der Untersuchung bei 26,6 Jahren lag. Die Auswertung ergab einen Pettersson-Score-Schwellenwert von 21 Punkten, ab dem die gesundheitsassoziierte Lebensqualität eingeschränkt war.

Für hämophile Patienten bedeutet dies, dass sie dazu tendieren könnten, den zerstörerischen Einfluss von Gelenkblutungen zunächst zu unterschätzen – bis eben dieser Schwellenwert erreicht ist, ab dem die Lebensqualität leidet. Daher erscheint es sinnvoll, es möglichst nicht so weit kommen zu lassen und die Therapie konsequent durchzuführen.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 26.10.2016; dx.doi.org/10.1111/hae.13120