Was entscheidet über die Therapietreue?

Was entscheidet über die Therapietreue?

06.05.15

Prophylaxe

UTRECHT (Biermann) – Auch die beste Prophylaxe kann nur vor Blutungen schützen, wenn sie tatsächlich wie verordnet zum Einsatz kommt. Aber was entscheidet bei hämophilen Patienten darüber, ob sie ihr Prophylaxe-Schema einhalten oder Infusionen verzögert oder gar nicht vornehmen? Das wollten niederländische Forscher um Liesbeth H. Schrijvers vom Universitair Medisch Centrum Utrecht von den Betroffenen selbst wissen und befragten 21 Patienten zweier niederländischer Hämophilie-Zentren. Gerade angesichts der lebenslangen Therapie bei Hämophilie-Patienten sei es wichtig zu verstehen, welche Schwierigkeiten die Patienten bei der Einhaltung der Therapie-Empfehlungen haben.

Um eine fundierte Theorie zu entwickeln, führten die Wissenschaftler individuelle Tiefeninterviews, um die Erfahrungen, Wahrnehmungen und Überzeugungen in Bezug auf die konsequente Anwendung der Prophylaxe zu verstehen. Dabei wurden die Patienten befragt, wie sie ihre Aufgabe, sich die Prophylaxe zu verabreichen, erleben und inwiefern sie sich daran halten. Die Interviews wurden in Schriftform gebracht, kodiert und analysiert. Die Befunde führten zur Entwicklung der fundierten Theorie.

Demnach wurde die Therapietreue von der Position, welche die Prophylaxe im Leben des Befragten einnimmt, bestimmt. Diese Position wiederum wurde zum einen von der Wahrnehmung der Prophylaxe bestimmt, zum anderen von der Fähigkeit, die Prophylaxe anzuwenden.

Ferner stellten Schrijvers und ihre Kollegen fest, dass die Wahrnehmung der Prophylaxe von zwei Hauptfaktoren beeinflusst wurde: der Akzeptanz der Hämophilie und ihren Gefühlen beziehungsweise Angstsymptomen.

Die Fähigkeit, die Prophylaxe anzuwenden, sei durch das Verständnis der Hämophilie und Prophylaxe sowie Fähigkeiten zur Planung und Infusion beeinflusst worden. Die Kombination aus unterschiedlichen Wahrnehmungen und Fähigkeiten führte zu vier Hauptpositionen der Prophylaxe im Leben:

1)    die in das Leben integrierte Prophylaxe
2)    die Prophylaxe nach Anweisung des Arztes, mit Schwierigkeiten in ungewöhnlichen Situationen
3)    der Umgang mit der Prophylaxe ist zu schwierig
4)    die Prophylaxe stellt eine Konfrontation mit der Krankheit dar

Die Therapietreue, mit der die Prophylaxe eingehalten wurde, nahm von Position 1 bis zu Position 4 stufenweise ab. „Diese Information kann genutzt werden, um maßgeschneiderte Interventionen zur Förderung der Therapietreue zu konzipieren“, meinen die Forscher.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 09.04.2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12660