Warum hämophile Menschen besonders gut auf ihre Nieren achten sollten

Warum hämophile Menschen besonders gut auf ihre Nieren achten sollten

28.08.14

Sonstiges

NEW YORK (Biermann) – In seiner neuen Ausgabe macht das Magazin „Hemaware“ der US-amerikanischen National Hemophilia Foundation auf mehrere Aspekte aufmerksam, die zu einer Schädigung der Nieren bei hämophilen Patienten führen können. Zum einen können eine chronische Hepatitis-C-Infektion ebenso wie eine HIV-Infektion, wie sie bei vielen Hämophilie-Patienten infolge kontaminierter Plasmaprodukte aufgetreten sind, die Nieren schädigen, indem sie zur  sogenannten Glomerulonephritis – einer Schädigung der Glomeruli (winzige Gefäßknäuel in den Nierenkörperchen) – führen.

Hinzu kommt, dass iodhaltiges Kontrastmittel, wie es bei bildgebenden Untersuchungen aufgrund von Hepatitis-C- oder HIV-Infektionen eingesetzt wird, durch seine gefäßverengende Wirkung den Blutfluss in die Nieren umgehend zeitweise herabsetzt.

Eine chronische Hepatitis-C-Infektion kann den Nieren aber auch auf Umwegen schaden: Als Reaktion auf die chronische Infektion  kann der Körper eine Kryoglobulinämie entwickeln, eine Autoimmunreaktion, die sich durch abnormale Proteine – Kryoglobuline – im Blut auszeichnet, die bei Kälte unlöslich werden. Dann lagern sie sich in den kleinsten Gefäßen ab und lösen eine Gefäßentzündung aus.

Eine andere wichtige Ursache von Nierenschäden ist Bluthochdruck, unter dem Menschen mit Hämophilie laut „Hemaware“ häufiger leiden als ihre Altersgenossen. Über die Gründe dafür gibt es bislang nur Mutmaßungen. „Möglicherweise treten in der Niere im Verlauf der Zeit Mikroblutungen aus, die ihre Fähigkeit zur normalen Blutdruckkontrolle beeinträchtigen“, erläutert Dr.  Patrick F. Fogarty, Direktor des Penn Comprehensive Hemophilia and Thrombosis Program am University of Pennsylvania Medical Center in Philadelphia, in dem Artikel.

Bleibt Bluthochdruck unerkannt und unbehandelt, leiden auf Dauer die Nieren. Dasselbe gilt für Diabetes, der durch zu hohe Blutzuckerwerte ebenfalls bei vielen Menschen lange Zeit unbemerkt Schäden anrichtet.

Darüber hinaus können die Nieren durch HIV-Medikamente, aber auch durch ein Übermaß an vermeintlich harmlosen, freiverkäuflichen Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen Schaden nehmen.

Problematisch an Nierenerkrankungen ist, dass sie oft erst zu spät bemerkt werden. Unter Umständen führt die gestörte Nierenfunktion dann bereits zu einem Ungleichgewicht der Elektrolyte, was wiederum die Herzfunktion beeinträchtigt.

Hinweise auf eine gestörte Nierenfunktion können zum Beispiel schaumig wirkender Urin (aufgrund von zu viel ausgeschiedenem Protein) oder geschwollene Hände oder Füße sein.

Wer nicht sicher ist, wie es um seine Nieren steht, sollte mit seinem Arzt über entsprechende Tests sprechen. Dazu gehören die Messung der Blutdrucks, die Bestimmung des Proteins Albumin im Urin und die Messung von Kreatinin im Blut, um die sogenannte  geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (estimated glomerular filtration rate, eGFR) zu ermitteln. Die eGFR ist ein Maß für die Blutmenge, welche die Nieren in jeder Minute reinigen, gemessen in Millilitern. Ein normaler Durchschnittswert liegt bei 100, was bedeutet, dass die Nieren in jeder Minute 100 ml Blut von Abfallprodukten reinigen.

Lässt die Nierenfunktion nach, sinkt die eGFR. Als normal gilt das Stadium 1 mit einer eGFR von 90-100. Symptome zeigten sich meist erst im Stadium 3 bei einer eGFR von 30-59. Fällt die Nierenfunktion unter 60 Prozent, können Anämie-Symptome auftreten. Im Stadium 5 liegt die eGFR bei unter 15 – dann liegt ein Nierenversagen vor.

Besonders kritisch ist die Situation, wenn mehrere Krankheiten beziehungsweise Symptome zusammen auftreten: Wer Bluthochdruck, Diabetes, Protein im Urin und abnormale Kreatinin-Werte hat, sucht am besten einen Nephrologen – also einen Nierenspezialisten – auf. Mit ihm kann geklärt werden, wie die Nieren am besten entlastet werden können. Hilfreich in jedem Fall ist der Verzicht auf Zigaretten, gegebenenfalls mehr Bewegung, der Abbau von Übergewicht (dann sinkt in der Regel auch der Bluthochdruck zumindest ein bisschen), ein salzarme Kost und bei Diabetikern zudem eine speziell angepasste Ernährung.

Quelle: www.hemaware.org/story/kidney-care