Vertrauen zum Arzt und Depressionen beeinflussen Therapietreue

Vertrauen zum Arzt und Depressionen beeinflussen Therapietreue

26.10.16

Umgang mit Hämophilie

ATLANTA (Biermann) – Auch die beste Therapie kann nur dann volle Wirkung entfalten, wenn sie eingehalten wird. Daher haben sich Wissenschaftler um Dr. Duc Q. Tran von der Emory University in Atlanta jetzt damit beschäftigt, was hämophile Erwachsene dazu bringt bzw. davon abhält, ihre Faktorersatztherapie wie vom Arzt geraten vorzunehmen.

In ihre Studie bezogen sie 99 hämophile Männer zwischen 18 und 62 Jahren ein, von denen 91% unter Hämophilie A litten und 78% eine schwere Erkrankungsform hatten. Die Therapietreue (Adhärenz) wurde mit einem von zwei Fragebögen erfasst, der „Validated Hemophilia Regimen Treatment Adherence Scale (VERITAS)-Pro“- oder dem „VERITAS-PRN“-Fragebogen.

Wie die Wissenschaftler berichten, hatten die meisten Studienteilnehmer (95%) eine funktionale Gesundheitskompetenz, d.h. sie besaßen Grundkompetenzen für das Lesen und Verstehen von Gesundheitsinformationen und für die Nutzung von Gesundheitsangeboten, allerdings konnten nur 23% diesbezüglich mit Zahlen umgehen.

Die durchschnittlichen Punktwerte für die Adhärenz lagen bei 45,6 (Standardabweichung 18) für diejenigen unter prophylaktischer Behandlung und bei 51,0 (Standardabweichung 15) für diejenigen mit episodischen Regimen. Dabei zeige ein niedrigerer Wert eine bessere Therapietreue an, erläutern die Forscher.

In der multivariablen Analyse kristallisierten sich mehrere Faktoren heraus, die mit einer besseren Therapietreue einhergingen: die dauerhafte Einnahme von Medikamenten (jedweder Art), eine längere Betreuung durch das Hämophilie-Zentrum der Studienautoren, ein höheres Vertrauen in die Ärzte und eine bessere Lebensqualität. Eine Depression in der Vorgeschichte war hingegen mit einer schlechteren Therapietreue  verbunden.

Zwei potenziell modifizierbare Faktoren – Vertrauen in den Arzt und Depression – seien als Motivator beziehungsweise Barriere für die Therapietreue bei der Faktorersatztherapie identifiziert worden, bilanzieren die Autoren. Der Versuch, ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Versorgungsteam herzustellen, sowie Depressionen zu erkennen und zu behandeln, könnte die Therapietreue verbessern und damit die Zerstörung der Gelenke reduzieren, ergänzen sie.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 30.09.2016; dx.doi.org/ 10.1111/hae.13078