Ultraschallgesteuerte Kortikosteroid-Injektionen lindern Arthropathie-Schmerzen

Ultraschallgesteuerte Kortikosteroid-Injektionen lindern Arthropathie-Schmerzen

02.08.16

Arthropathie, Schmerzen

SAN DIEGO (Biermann) – Möglicherweise haben US-Wissenschaftler eine Methode gefunden, um Schmerzen aufgrund von Hämophilie-bedingten Gelenkschäden (hämophiler Arthropathie) deutlich zu lindern.  Bei Gelenkschmerzen infolge von Arthrose oder rheumatoider Arthritis zählen Kortikosteroid-Injektionen in das Gelenk (intraartikulär) bereits zum Versorgungsstandard, kommen aber bei hämophiler Arthropathie selten zum Einsatz. Wissenschaftler um E. J. Martin von der University of California San Diego (USCD) haben nun überprüft, ob sich die Schmerzen von Patienten mit hämophiler Arthropathie sicher und effektiv mit ultraschallgesteuerten Kortikosteroid-Injektionen lindern lassen.

Dazu analysierten sie Patienten mit hämophiler Arthropathie, die zwischen März 2012 und Januar 2016 an der USCD mit ultraschallgesteuerten Kortikosteroid-Injektionen behandelt wurden. Die Platzierung der Nadel und die Injektion erfolgten mithilfe von Ultraschall der Muskeln und Gelenke und Power-Doppler-Ultraschall.

Bei 25 Patienten kamen 45 Injektionen (14 Sprunggelenke, 13 Ellbogen und 18 Knie) zum Einsatz. Eine fortgeschrittene Arthropathie mit übermäßiger Bildung von Blutgefäßen lag bei 91% der Gelenke und/oder Ergüssen bei 61% der Gelenke vor. 91% der Injektionen führten zu einer Schmerzlinderung, die bei 84% bedeutsam war (d. h. eine Linderung um mehr als 30%).

Der mediane Schmerz-Punktwert wurde von 7/10 auf 1/10 reduziert (P<0,001), in der Regel innerhalb von 24 h. Die mediane* Schmerzlinderung lag bei 8 Wochen (Spanne 1-16 Wochen)

Bei Patienten mit Hämophilie B hielt die Schmerzlinderung länger an. Außerdem stellten Martin und Kollegen fest, dass hohe Pettersson-Scores – die stärkere Veränderungen im Röntgenbild anzeigen – mit einer kürzeren Dauer der Linderung einhergingen.

Erfreulicherweise wurden im Zusammenhang mit den Injektionen keine Komplikationen beobachtet. Ein erneuter Ultraschall innerhalb von 4 Wochen nach der Injektion zeigte einen fast vollständigen Rückgang der übermäßigen Blutgefäßbildung.

„Der Ultraschall vor Ort ermöglichte intraartikuläre Kortikosteroid-Injektionen, die zu einer hoch effektiven, sicheren und relativ lang anhaltenden Schmerzlinderung bei hämophiler Arthropathie führte“, bilanzieren die Forscher. Diese Methode sollte zur Verbesserung des Schmerzmanagements bei hämophiler Arthropathie eingesetzt werden, lautet deren Empfehlung.

Quelle: Haemophilia 2016, online erschienen am 03.08.2016; dx.doi.org/10.1111/hae.13057

*Der Median oder Zentralwert ist ein Mittelwert für Verteilungen in der Statistik.