Sturzprävention sollte wichtiger werden

Sturzprävention sollte wichtiger werden

06.10.14

Forschung

LEUVEN (Biermann) – Stürze stellen für hämophile Menschen ein besonderes Risiko dar. Dafür gibt es mehrere Gründe: Nicht selten sind die Gelenke vorgeschädigt, das Blutungsrisiko hoch und Muskeln und Knochen können Schaden nehmen. Dadurch kann die Alltagstauglichkeit längerfristig beeinträchtigt werden und zu guter Letzt sind die daraus resultierenden Ausfall- und Behandlungskosten auch nicht unerheblich. Dank der modernen Therapien können auch Menschen mit schwerer Hämophilie ein hohes Alter erreichen. Wie bei nicht hämophilen Personen steigt mit dem Alter auch das Risiko für Stürze.

Daher befassten sich in einer aktuellen Studie belgische Wissenschaftler um Monika Sammels damit, wie häufig zuhause lebende hämophile Männer im vorangegangenen Jahr gestürzt waren. Zudem wollten sie wissen, welche Risikofaktoren für Stürze vorlagen.

In ihre Untersuchung schlossen sie 89 Männer mit schwerer oder mittelschwerere Hämophilie A oder B ein, deren Mobilität nicht eingeschränkt war und die am Universitätsklinikum Leuven registriert waren. Sammels und ihre Kollegen baten die 74 Männer, die sich zur Teilnahme bereit erklärten, um einen Besuch im Hämophilie-Zentrum. Wenn dies nicht möglich war, führten sie mit ihnen ein Interview am Telefon. Dabei erfassten sie Daten zu den Patienten selbst und seinem Umfeld, zu seiner Krankengeschichte, zum Sturz und klinische Daten.

Die Befragung ergab, dass 24 Männer (32,4%) im vorangegangenen Jahr gestürzt waren, zehn von ihnen (41,7%) mehr als einmal – der Durchschnitt lag bei vier Stürzen.

Als potenzielle Risikofaktoren für Stürze hätten sich die Lebensumstände, die körperliche Aktivität, der orthopädische Zustand der Patienten, Harninkontinenz und Mobilitätseinschränkungen herauskristallisiert, schreiben die Forscher. Überraschenderweise führen sie allerdings auch die Vermeidung von Wintersport aus Angst vor Stürzen unter den potenziellen Risikofaktoren auf.

Ihr Fazit: „Diese Erkundungsstudie zeigt, dass hämophile Menschen in Bezug auf Stürze achtsam sind, weil sie ein höheres Risiko dafür haben und unter Umständen schlimme Konsequenzen drohen.“ In der täglichen Versorgung hämophiler Patienten sollten das Screening auf Risikofaktoren und die Sturzprävention mehr Raum einnehmen,  meinen die Wissenschaftler.

Tipps dazu, wie sich Stürze am besten vermeiden lassen, finden sich beispielsweise auf den Internetseiten des Aponet, der Universität Düsseldorf sowie eines österreichischen Ergotherapeuten, der sich intensiv mit dem Thema befasst hat, unter www.sturzpraevention.net. Neben der entsprechenden Gestaltung der eigenen Wohnung – etwa durch ausreichende Beleuchtung und die Beseitigung hochstehender, loser Teppichkanten – ist ein Gleichgewichtstraining beim Physiotherapeuten sinnvoll. Weitere Faktoren sind beispielsweise  eine ausreichend starke Brille, gutes Schuhwerk – auch bei Hausschuhen! – und die Kontrolle von Blutdruck- und Blutzuckerwerten.

Quelle: Falling and fall risk factors in adults with haemophilia: an exploratory study; Haemophilia, online erschienen am 02.09.2014; Web: dx.doi.org/10.1111/hae.12512