Sport auch für hämophile Erwachsene mit Gelenkschäden sinnvoll

Sport auch für hämophile Erwachsene mit Gelenkschäden sinnvoll

03.06.16

Schmerzen, Sport

HAMBURG (Biermann) – Sport ist für Menschen mit Hämophilie wichtig – das wird zunehmend anerkannt. Leider gibt es jedoch wenige Daten zu der Bedeutung für hämophile Erwachsene, von denen viele unter geschädigten Gelenken leiden.

In einer aktuellen multizentrischen Studie untersuchten Dr. Sylvia von Mackensen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und ihre britischen Kollegen den Einfluss von Sport auf die gesundheitsassoziierte Lebensqualität, körperliche Leistungsfähigkeit und klinische Ergebnisse bei hämophilen Erwachsenen.

An der Studie nahmen 50 Erwachsene teil, die im Durchschnitt 35 Jahre alt waren. Davon wiesen 12 eine leichte, 10 eine moderate und 28 eine schwere Hämophilie aus. In 70 Prozent der Fälle handelte es sich um Hämophilie A, in 30 Prozent um Hämophilie B. Die Patienten stammten von vier britischen Hämophilie-Zentren.

Insgesamt 64 Prozent der Studienteilnehmer waren ihrem Body-Mass-Index zufolge übergewichtig/adipös. Der Zustand der Gelenke wurde anhand des WFH Orthopaedic Joint Score (OJS), der von 0 bis 48 reicht, im Median mit 6 bewertet. Die Schmerzen wurden mit einer Skala von 0-10 erfasst: Die Patienten gaben einen mittleren Punktwert von 5,7 an.

36 Prozent der Teilnehmer trieben nach eigenem Bekunden keinerlei Sport – hauptsächlich aufgrund ihres körperlichen Zustands. Die anderen 64 Prozent berichteten, sportlich aktiv zu sein, inklusive Kontaktsportarten, meist zweimal pro Woche (im Schnitt 4 h pro Woche).

Die Teilnahme am Sport hatte keinen statistisch signifikanten Einfluss auf die gesundheitsassoziierte Lebensqualität, ausgenommen auf die Domäne „Sport und Freizeit“ auf dem Fragebogen zur Lebensqualität bei Hämophilie A, Haem-A-QoL.

Wie Mackensen und ihre Kollegen berichten, gaben allerdings Patienten, die mehr Sport trieben, eine signifikant bessere gesundheitsassoziierte Lebensqualität an als die weniger sportlich Aktiven (P<0,005). Jene, die mehr als vier Stunden Sport pro Woche trieben, waren signifikant körperlich fitter als solche, die weniger Sport trieben.

Die Wissenschaftler ziehen aus ihrer Studie das Fazit, dass körperliche Aktivität und Sport bei älteren Patienten mit Hämophilie einen direkten Einfluss auf die gesundheitsassoziierte Lebensqualität haben können. Daher plädieren sie dafür, Schulungen zu sportlichen Aktivitäten in die routinemäßige Hämophilie-Versorgung einzubeziehen.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 24.05.2016; dx.doi.org