Selbstmanagement und Therapietreue – keine feste Größe

Selbstmanagement und Therapietreue – keine feste Größe

15.06.16

Sonstiges

UTRECHT (Biermann) – Bei Hämophilie-Patienten variieren Selbstmanagement und Therapietreue  laut einer aktuellen Übersichtsarbeit im Lauf des Lebens. Die Akzeptanz der Erkrankung und Fähigkeiten zum Selbstmanagement seien wichtige Aspekte, die eine maßgeschneiderte professionelle Unterstützung erfordern, schreiben Liesbeth H. Schrijvers vom Universitair Medisch Centrum Utrecht und ihre Kollegen.

Wie die Auswertung von Studienarbeiten und Veröffentlichungen zeigt, waren alle jüngeren Patienten mit schwerer Hämophilie selbst oder mit Hilfestellung ihrer Eltern in der Lage, Infusionen vorzunehmen. Die Qualität der Infusionsfähigkeiten stuften die Wissenschaftler als akzeptabel ein. Mit dem Erlernen der Selbstinfusionen wurde im Allgemeinen vor der Pubertät begonnen. Ein vollständiges Selbstmanagement beherrschten die Patienten zehn Jahre später.

In punkto Therapietreue (Adhärenz) wurde überprüft, ob die Patienten Infusionen ausließen und ob sie die richtige Dosierung sowie die richtigen Zeitpunkte wählten. Die Auswertung zeigte, dass der Grad der Therapietreue mit dem Alter variiert: Am höchsten war sie – aufgrund der elterlichen Fürsorge bei Kindern zwischen einem und zwölf Jahren und am niedrigsten im Alter von 25–40 Jahren.

Die Therapietreue in Bezug auf die Prophylaxe bezeichneten die Wissenschaftler als akzeptabel (43%), jedoch hätten 57 Prozent der untersuchten Patienten damit zu kämpfen gehabt.

Qualitative Untersuchungen zeigten, dass die Position, die die Prophylaxe im Leben der Patienten einnimmt, der wichtigste Treiber für die Therapietreue ist. Diese Position werde von der Akzeptanz und den Fähigkeiten zum Selbstmanagement beeinflusst, schreiben die Studienautoren. Was die Bewältigung der Hämophilie angehe, so habe die Mehrheit der Patienten einen Problem-fokussierten Ansatz gewählt.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 14.04.2016; dx.doi.org