Schmerzhafte hämophile Arthropathie: Ultraschall verhilft zu genauer Diagnose

Schmerzhafte hämophile Arthropathie: Ultraschall verhilft zu genauer Diagnose

19.02.15

Arthropathie

SAN DIEGO (Biermann) – Nur bei etwa einem Drittel der hämophilen Erwachsenen mit akut schmerzenden Gelenken liegt eine Hämarthrose vor – das konnten Forscher um Dr. Wes Kidder von University of California San Diego anhand von Ultraschalluntersuchungen von Skelett und Muskeln (musculoskeletal ultrasound, MSKUS) bereits in einer früheren Studie zeigen. Daraus schlussfolgerten sie, dass andere nicht erkannte Abnormitäten des Gewebes zum Schmerz beitragen müssen.

Daher versuchten sie nun, unter Einsatz von hochauflösendem MSKUS, der mit Grauskalen und Power-Doppler-Technik arbeitete, Abnormitäten des Weichgewebes in schmerzhaften hämophilen Gelenken zu bestimmen. Zudem wollten sie klären, in welchem Ausmaß MSKUS-Befunde, funktionelle und radiologische Punktwerte bei hämophilen Patienten mit Biomarkern für Entzündung korrelieren.

Kidder und seine Kollegen setzten ihre Ultraschallbefunde in Bezug zu den „Hemophilia Joint Health Scores (HJHS)“ (für die Gelenkfunktion) und „Pettersson-Scores“ (für den radiologischen Befund), den Werten für das hochsensitive C-reaktive Protein sowie die Von-Willebrand-Faktor-Aktivität und die Antigen-Spiegel (für die Entzündung).

Die Wissenschaftler nahmen insgesamt 65 MSKUS-Untersuchungen wegen akuter und chronischer Gelenkschmerzen bei 34 erwachsenen hämophilen Patienten vor, zumeist aufgrund chronischer Schmerzen (72,3%).

Der größte Teil der Befunde (66,5%) ging auf das Konto von entzündlichen Veränderungen des Weichgewebes inklusive Entzündungen der Gelenkinnenhaut (Synovitis), Sehnenscheidenentzündungen, Sehenansatzentzündungen, Schleimbeutelentzündungen und Entzündungen des Fettpolsters.

Ergüsse lagen bei 55,5 Prozent der MSKUS-Untersuchungen, die aufgrund akuter Schmerzen erfolgten, und bei 46,8 Prozent der Untersuchungen aufgrund chronischer Schmerzen vor. Davon erwiesen sich 90,0 Prozent während akuter Schmerzen und 47,6% während anhaltender Schmerzen als blutig.

Ferner stellten die Wissenschaftler fest, dass die entzündlichen Biomarker gut mit den Gesamtwerten des HJHS und den Petterson-Gesamtpunktwerten korrelierten. Hingegen fielen sie bei Patienten mit und ohne Synovitis nicht unterschiedlich aus.

„MSKUS zeichnet sich als wichtige Modalität ab, um behandelbare muskuloskelettale Abnormitäten, die zu Schmerzen bei hämophiler Arthropathie beitragen, zu diagnostizieren. Daher scheint er  für einen personalisierten Ansatz in der Hämophilie-Versorgung von entscheidender Bedeutung zu sein“, bilanzieren die Wissenschaftler. Die Rolle von Biomarkern sei in diesem Rahmen weniger eindeutig und müsse weiter erforscht werden, ergänzen sie.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 27.01.2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12637