Schmerz und Entzündung bei Hämophilie: nicht einfach zu behandeln

Schmerz und Entzündung bei Hämophilie: nicht einfach zu behandeln

24.11.15

Arthropathie, Inhibitor, Schmerzen

SHEFFIELD (Biermann) – Etwas gegen Schmerzen und Entzündung bei hämophiler Arthropathie zu unternehmen, ist keine leichte Aufgabe, da es keine schmerzstillenden, antientzündlichen Substanzen gibt, die für betroffene Patienten perfekt passen würden. D. R. J. Arachchillage und Prof. Mike Makris vom Sheffield Haemophilia and Thrombosis Centre nahmen sich jetzt dieses Themas in einer Übersichtsarbeit an.

Die sogenannten nichtsteroidalen Antiphlogistika (Non-steroidal anti-inflammatory drugs, NSAIDs) würden aufgrund ihrer schmerzstillenden und antientzündlichen Wirkung weithin in der Behandlung der Arthritis eingesetzt, schreiben sie. Ihre Verwendung bei hämophilen Menschen sei jedoch eingeschränkt, da diese Substanzen ein erhöhtes Blutungsrisiko – vor allem im oberen Magen-Darm-Trakt – mit sich bringen.

Die für das Enzym Cyclooxygenase-2 (COX-2) selektiven NSAIDs mit einer vergleichbaren schmerzstillenden Wirkung wie die herkömmlichen NSAIDs, aber mit einem geringeren Risiko für Blutungen im oberen Magen-Darm-Trakt – seien als geeignete Option zur Behandlung der hämophiler Arthropathie erachtet worden.

Diese COX-2-Hemmer brächten allerdings ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen mit sich. Wenngleich Menschen mit Hämophilie in ähnlicher Weise von Atherosklerose (Arterienverkalkung) betroffen sind wie die Allgemeinbevölkerung, haben sie jedoch ein niedrigeres Risiko für Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen. Auch ihr Thromboserisiko ist niedriger, ihr Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trakt hingegen höher.

Die Empfehlung, welche die Forscher daraus ziehen, lautet: Wenn hämophile Menschen schmerzstillende/antientzündliche Substanzen brauchen, scheine es vernünftig zu sein, die niedrigste Dosis von COX-2-Inhibitoren über einen möglichst kurzen Zeitraum einzusetzen, und zwar zusammen mit einem Protonenpumpenhemmer (zum Schutz des Magens).

Bevor mit einer NSAID-Therapie begonnen werde, sollte auf eine Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori hin getestet und diese gegebenenfalls beseitigt werden, raten Arachchillage und Makris. Außerdem seien eine regelmäßige Überwachung des Blutdrucks und der Nierenfunktion während der Therapie mit Cox-2-Hemmern erforderlich.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 04.11.2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12805