Radiosynovektomie – Erfahrungen aus 38 Jahren

Radiosynovektomie – Erfahrungen aus 38 Jahren

23.10.14

Arthropathie, Operation

MADRID (Biermann) – Viele hämophile Männer – und mitunter auch Jungen – sind durch eine Synovitis beeinträchtigt. Dabei handelt es sich um eine Entzündung der inneren Schicht der Gelenkkapsel, der sogenannten Synovialmembran. In chronischen Fällen kann es hilfreich sein, die Synovialmembran zu entfernen oder funktionell auszuschalten. Dies kann unter anderem durch eine Radiosynovektomie erfolgen, bei der radioaktive Substanzen in das Gelenk injiziert werden. Dadurch sinkt die Zahl der Gelenkblutungen.

Carlos Rodriguez-Merchan vom La Paz Universitätsklinikum in Madrid und seine Kollegen stellen nun in der Fachzeitschrift „Thrombosis Research“ ihre Erfahrungen mit diesem Verfahren, die sie in 38 Jahren (1976–2013) gesammelt haben, vor. Insgesamt 500 Radiosynovektomien an 443 Gelenken von 345 hämophilen Patienten mit chronischer Synovitis führten sie in diesem Zeitraum durch.

Wie wirksam diese waren, beurteilten sie anhand der objektiven Verbesserung der folgenden fünf Parameter:

  • Zahl der Gelenkblutungen
  • Schmerzen in den Gelenken
  • Grad der klinischen Synovitis (klinisch = durch ärztliche Untersuchung feststellbar)
  • klinischer Score der World Federation of Haemophilia (WFH)
  • radiologischer Score der WFH (radiologisch = im Röntgenbild)

Die Auswertung ergab, dass das durchschnittliche Alter der Patienten bei 23,7 Jahren lag (Spanne 6 bis 53 Jahre). Wie es den Patienten nach der Radiosynovektomie erging, konnte im Schnitt 18,5 Jahre lang verfolgt werden (Spanne 6 Monate bis 38 Jahre).

Für die Radiosynovektomien verwendeten die Autoren entweder die radioaktiven Isotope Yttrium-90 oder Rhenium-186, wobei sie im Abstand von sechs Monaten ein bis drei Injektionen vornahmen.

Rodriguez-Merchan und seine Kollegen stellten nun fest, dass die Radiosynovektomien bei fast allen untersuchten Parametern zu deutlichen Verbesserungen führten. Eine Ausnahme bildete der radiologische WFH-Score, der keine Verbesserung zeigte. Im Durchschnitt nahm die Zahl der Gelenkblutungen um 64,1 Prozent ab, und die Gelenkschmerzen gingen um 69,4 Prozent zurück. Der Schweregrad der Synovitis sank um 31,3 Prozent, während sich der klinische WFH-Score um 19 Prozent verbesserte.

In vier Fällen (0,9%) traten Komplikationen der Radiosynovektomie auf. Zudem mussten letztendlich 28 Gelenke (6,3%) einer Synovektomie per Gelenkspiegelung oder der Implantation einer Knietotalprothese unterzogen werden. In den 38 Jahren beobachteten die Autoren in dieser Patientengruppe keinen Fall von Krebs.

Aus diesen Ergebnissen schlussfolgern die Wissenschaftler: „Die Radiosynovektomie stellt bei der chronischen hämophilen Synovitis auf lange Sicht einen effektiven, sicheren, minimalinvasiven und gut verträglichen Eingriff dar. Darüber hinaus ist sie sehr einfach durchführbar.” Das Knie habe mehr Injektionen benötigt als Ellbogen oder Sprunggelenk und stärker angegriffene Synovialmembranen hätten eine höhere Zahl an Radiosynovektomien erfordert, ergänzen sie abschließend.

Quelle: Rodriguez-Merchan EC1, De la Corte-Rodriguez H2, Jimenez-Yuste V3. Radiosynovectomy in haemophilia: Long-term results of 500 procedures performed in a 38-year period. Thromb Res. 2014 Sep 6. pii: S0049-3848(14)00459-9. [Epub ahead of print]; Web: dx.doi.org/10.1016/j.thromres.2014.08.023