Radiosynovektomie bei Kindern mit Synovitis und Inhibitoren erwägenswert

Radiosynovektomie bei Kindern mit Synovitis und Inhibitoren erwägenswert

15.05.15

Arthropathie, Inhibitor, Operation

MADRID/CHICAGO (Biermann) – So mancher hämophile Junge leidet unter Synovitis – einer Entzündung der inneren Schicht der Gelenkkapsel, der sogenannten Synovialmembran. Unter Umständen ist eine Synovektomie – eine Entfernung bzw. funktionelle Ausschaltung der Synovialmembran – erforderlich. Bei der Radiosynovektomie geschieht dies mittels radioaktiver Substanzen, die in das Gelenk injiziert werden.

Doch wie sicher ist die Anwendung der Radiosynovektomie bei hämophilen Kindern? In der Literatur wurden zwei Fälle hämophiler Kinder beschrieben, die nach einer Radiosynovektomie mit dem Isotop 32P eine akute lymphatische Leukämie – eine Form von Blutkrebs – entwickelten.

Da viele hämophile Jungen, die von der Radiosynovektomie profitieren könnten, wegen dieses potenziellen Risikos nicht damit behandelt werden, analysierten zwei Forscher nun die Sicherheit der Strahlenexposition, um zu einer Risiko-Nutzen-Abschätzung zu gelangen.

  1. Carlos Rodriguez-Merchan vom La Paz University Hospital, Madrid, und Leonard A. Valentino vom Rush University Medical Center, Chicago, schreiben, dass Kinder, die eine Radiosynovektomie am Knie erhalten, einer Strahlendosis von etwa 0,74 mSv (90 Megabecquerels [MBq]) ausgesetzt werden. An Ellbogen und Sprunggelenk liege die Dosis bei rund 0,32 mSv (30–40 MBq).

Zum Vergleich: Die Strahlendosis aus natürlichen Quellen beträgt etwa 2 mSv, der empfohlene Grenzwert für Patienten (abgesehen von natürliche Quellen) beträgt 1 mSv pro Jahr. Wie die Autoren berichten, steigt das lebenslange Krebsrisiko um rund 0,5 Prozent pro 100 mSv pro Jahr.

Unter Abwägung der Risiken und Vorzüge der Radiosynovektomie empfehlen die Autoren, dass Ärzte diesen Eingriff bei Kindern mit Inhibitoren oder Patienten ohne Inhibitoren, die trotz intensiver Therapie mit Faktorkonzentrat wiederholt und anhaltend Blutungsepisoden aufweisen, in Erwägung ziehen sollten.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 09.04.2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12668