Operationen bei Hämophilie: Blutungen auch mehr als zwei Tage später möglich

Nachblutung nach Operationen bei Hämophilie

16.03.17

Operation

NEW YORK (Biermann) – Erwachsene mit Hämophile A (HA), Hämophilie B (HB) und Von-Willebrand-Erkrankung (VWD) benötigen oft eine Operation und invasive Eingriffe. In den Leitlinien zum Management rund um die Operationen gibt es jedoch eine gewisse Variabilität. Mediziner um Dr. John Chapin vom Weill Cornell Medical College, New York, beschreiben ihre Ergebnisse rund um solche Eingriffe bzw. Operationen.

Dazu überprüften sie rückblickend Krankenakten aus dem Zeitraum Januar 2006 bis Dezember 2012 von Patienten mit HA, HB und VWD, die sich einer Operation oder einem invasiven Eingriff unterzogen. überprüft wurden die Art der Eingriffe, das Management inklusive des Einsatzes einer kontinuierlichen Faktorinfusion und die Gabe von Antifibrinolytika. Als „nachteilige Ergebnisse“ werteten die Wissenschaftler akute Blutungen (d.h. Blutungen, die vor dem Ablauf von 48 h einsetzten), verzögerte Blutungen (Blutungen nach dem Ablauf von 48 h), Bluttransfusionen, Inhibitorentwicklung und Thrombose.

Vierundzwanzig Patienten litten unter schwerer Hämophilie, zwölf unter leichter/moderater Hämophilie, weitere zwölf wiesen Inhibitoren auf. Zudem gab es fünf Trägerinnen von HA und sechs Patienten mit VWD. Wie die Forscher berichten, waren bei diesen Patienten 34 größere Operationen (26 orthopädische, 8 nicht orthopädische) und 129 kleinere Eingriffe erfolgt.

Bei 55,9 Prozent der großen Operationen war eine kontinuierliche Infusion erfolgt, bei kleineren Eingriffen hingegen nur in 8,5 Prozent der Fälle. Die Gabe von Antifibrinolytika erfolgte bei 14,7 Prozent der großen Operationen und 23,2 Prozent der kleineren Eingriffe.

Das Team um Chapin stellte fest, dass vier Patienten eine akute Blutung und zehn eine verzögerte Blutung entwickelten. Verzögerte Blutungen dokumentierten die Forscher bei 28,6 Prozent der urogenitalen Eingriffe und 16,1 Prozent der zahnmedizinischen Eingriffe. Fünf Patienten entwickelten einen Inhibitor und zwei eine Thrombose.

Das Fazit des Autorenteams: „Patienten mit HA, HB oder VWD zeigen ähnliche Raten nachteiliger Ergebnisse, wenn sie sich kleinen oder großen Operationen unterziehen.“ Dieser Befund unterstreiche, wie wichtig ein interdisziplinäres Management und für den Eingriff spezifische Leitlinien für Patienten mit Hämophilie und VWD sind – selbst bei kleinen invasiven Eingriffen.

Quelle: Clin Appl Thromb Hemost. 2017;23(2):148-154. dx.doi.org/10.1177/1076029616658116