Offene Entfernung der Gelenkinnenhaut: Gelenkschädigung verlangsamt

Offene Entfernung der Gelenkinnenhaut: Gelenkschädigung verlangsamt

15.07.15

Arthropathie, Blutungen, Forschung, Operation, Sonstiges

PALENCIA (Biermann) – Wiederkehrende Einblutungen in die Gelenke und eine chronische Entzündung (Synovitis) der Gelenkinnenhaut (Synovialis) können bei Hämophilie zu chronischen Gelenkschäden führen (Arthropathie). Wenn die medikamentöse Therapie fehlschlägt, ist mitunter eine Entfernung der Synovialis (Synovektomie) angezeigt.

Forscher um J. Mingo-Robinet vom Complejo Asistencial Universitario de Palencia, Spanien, stellen in der Fachzeitschrift „Haemophilia“ nun die Langzeitergebnisse von Synovektomien im Sprunggelenk vor, die als offene Operation erfolgten (statt per Kniespiegelung).

An ein und demselben Hämophiliezentrum waren 32 offene Synovektomien bei 21 jungen hämophilen Patienten erfolgt, deren Krankheitsverlauf im Median* 15,4 Jahre lang beobachtet wurde. Vor der Operation wurden die Patienten klinisch untersucht, zudem wurde das Gelenk geröntgt.  Der Zustand der Gelenke wurde in Punktwerten festgehalten – mit dem Petrini-Score für die klinischen Untersuchungen und den Pettersson-Score für das Röntgenbild. Solche Beurteilungen erfolgten auch bei jeder Nachkontrolle, an der mehrere Fachärzte beteiligt waren.

Die Ergebnisse zeigen, dass der mediane Petrini-Score bei 6 lag (Spanne 3-12) und sich nach zwei und fünf Jahren verbesserte. Nach zehn und 15 Jahren blieb dieser Score mit einem medianen Wert von 3,5 (Spanne 0-11) unter dem vor der Operation ermittelten Score. Bei zehn  Gelenken lagen Daten aus mehr als 20 Jahren vor.

Der mediane Petterson-Score vor der Operation zeigte nach den ersten zwei bzw. fünf Jahren eine leichte, aber kontinuierliche Verschlechterung. Überraschenderweise gab es aber keine Korrelation zwischen den klinischen Ergebnissen und jenen im Röntgenbild.

„Unsere Langzeitergebnisse sprechen dafür, dass sich die klinischen Scores selbst dann verbessern, wenn die Scores im Röntgenbild schlechter werden“, schlussfolgert das Forscherteam. „Die offene Synovektomie zögert das Fortschreiten der Arthropathie hinaus, stoppt sie aber nicht.  Blutungen und Schmerzen werden kontrolliert, und selbst wenn Blutungen oft wiederkehren, sind sie weniger schwer, weniger schmerzhaft und erfordern weniger Ersatz von Faktorkonzentrat.“

Quelle: Haemophilia 2015;21(4):e306-11. dx.doi.org/10.1111/hae.12704

*Der Median ist ein Mittelwert für Verteilungen in der Statistik. (Quelle: wikipedia)