Neue Studie untersucht Training zum Schutz der Gelenke bei Kindern mit Übergewicht

Neue Studie untersucht Training zum Schutz der Gelenke bei Kindern mit Übergewicht

18.05.16

Arthropathie, Sport
  1. PÖLTEN (Biermann) – Bei Hämophilie steht die langfristige Gesundheit der Gelenke bekanntlich besonders im Fokus, wird sie doch durch Gelenkblutungen bedroht. Ein Projekt der Fachhochschule St. Pölten macht jetzt auf einen Risikofaktor aufmerksam, der schon bei  übergewichtigen Kindern und Jugendlichen ohne Hämophilie problematisch ist.

Grundsätzlich gilt, dass Übergewicht die Gelenke schädigen und das Risiko, frühzeitig eine Gelenksarthrose zu entwickeln, erhöhen kann. Studien haben einen starken Zusammenhang zwischen Übergewicht und dessen negativen Auswirkungen auf biomechanische Abläufe bei der Fortbewegung festgestellt.

Vor allem die Kombination aus erhöhtem Körpergewicht und biomechanischen Fehlstellungen kann zu einer erhöhten und somit unphysiologischen Gelenkbelastung in Hüft-, Knie- und Sprunggelenken führen.

Der Studiengang Physiotherapie der Fachhochschule St. Pölten untersucht nun im Projekt „Children’s KNEEs“ die veränderten biomechanischen Abläufe in Hüft-, Knie- und Sprunggelenken von 48 übergewichtigen Kindern und Jugendlichen (10-18 Jahre) beim Gehen und Treppensteigen. Dabei kommt die Methode des „Motion Capturing“ aus der Produktion von Animationsfilmen zum Einsatz: Mit dieser Methode werden Bewegungen der einzelnen Körpersegmente im dreidimensionalen Raum erfasst und analysiert.

Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickeln die Wissenschaftler ein spezielles Trainingsprogramm für diese Zielgruppe. Das Trainingsprogramm wird über zwölf Wochen stattfinden und eine Kombination aus neuromuskulären Übungen und Kräftigungsübungen für Hüft- und Oberschenkelmuskulatur beinhalten. Im Rahmen der Studie wird eine 3D-Ganganalyse zu Beginn und am Ende des Trainingsprogrammes durchgeführt, um Unterschiede in biomechanischen Abläufen festzustellen und zu analysieren.

„Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass spezifische Trainingsprogramme zur Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle und der Muskelkraft dieser unphysiologischen Mehrbelastung entgegenwirken können. Dennoch sind die biomechanischen Mechanismen, die dahinter stecken, noch relativ unklar“, erklärt Projektleiter Brian Horsak, Sportwissenschaftler und FH-Dozent am Department Gesundheit der FH St. Pölten.

„Es gibt eine Vielzahl an Richtlinien für Trainingsprogramme zum Aufbau von Muskelkraft und zur Verbesserung der neuromuskulären Kontrolle, aber die meisten Programme richten sich nicht spezifisch an übergewichtige Kinder und Jugendliche“, so FH-Dozentin Barbara Wondrasch. Sie ist Physiotherapeutin und hat im Rahmen ihrer Dissertation die Wichtigkeit dieses Themas festgestellt. Im Projekt „Children’s KNEEs“ ist sie für die klinische Relevanz und das Trainingsprogramm, das in der unten genannten Publikation beschrieben wird, zuständig.

Weitere Informationen:
www.fhstp.ac.at/kneestudy
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carma.fhstp.ac.at/projects/childrensknees

Publikation: Horsak et al., Trials (2015), 16:586. The effects of a strength and neuromuscular exercise programme for the lower extremity on knee load, pain and function in obese children and adolescents: study protocol for a randomised controlled trial. Der Artikel ist im Volltext kostenlos nachzulesen unter dx.doi.org/10.1186/s13063-015-1091-5

Quelle: Fachhochschule St. Pölten, 26.04.2016