Mit Spenden die „Behandlungslücke“ schließen

Mit Spenden die „Behandlungslücke“ schließen

24.11.14

Sonstiges, Therapiekosten

MONTRÉAL (Biermann) – Schon bald ist Weihnachten – für viele Menschen eine Zeit, nicht nur an Geschenke zu denken, sondern auch Gutes zu tun. Wer auf der Suche nach Verwendung von Geldern für einen guten Zweck ist, könnte zum Beispiel die „Close the gap“-Kampagne der World Hemophilia Federation (WFH) bedenken.

Mit „gap“ ist die Behandlungslücke gemeint, die in der Hämophilie-Therapie zwischen Industrie- und anderen Ländern besteht. Denn gerade bei Hämophilie unterscheidet sich das Leben Betroffener mit und ohne moderne Therapie ganz extrem.

Die WFH verdeutlich das auf ihrer Website eindrücklich durch das Nebeneinanderstellen zweier Fotos hämophiler Jungen (www.wfh.org) : Auf dem einen ist ein Junge aus einem armen Land mit spindeldürren Beinen, aber dicken Kniegelenken, zu sehen, der sich an Krücken durchs Leben hangeln muss, auf dem anderen ein gesund wirkender Junge auf einem Fahrrad.

Die WFH setzt sich seit 1963 dafür ein, dass rund um die Welt Blutungserkrankungen erkannt und behandelt werden. Mit Erfolg: Mittlerweile wurde eine Blutungserkrankung bei 240.000 Patienten festgestellt. Zwischen 2002 und 2008 verzeichnete die WFH einen Anstieg der Zahl der Kinder mit Blutungserkrankungen, die bis in Erwachsenenalter überleben, um fünf Prozent.
Seit 2001 sei die Verfügbarkeit der Produkte zur Behandlung um mehr als 225 Prozent gestiegen, berichtet die WFH zudem. In 16 Ländern seien über das Global Alliance for Progress (GAP)-Programm nationale Versorgungsprogramme etabliert worden.

Aber immer noch leiden schätzungsweise 6,9 Millionen Männer, Frauen und Kinder unter Schmerzen, Stigma sowie Behinderung und sterben vorzeitig – Schätzungen zufolge ist ein Mensch von 1000 von einer Blutungserkrankung betroffen. Immer noch müssen 75 Prozent der Betroffenen ohne Behandlung auskommen.

Um diese  Lücke zu schließen, sind nach Aussage der WFH Zeit, Freiwillige und vor allem finanzielle Mittel unbedingt erforderlich. Sie nennt Zahlen zu den Kosten: Demnach helfen 30 US-Dollar (knapp 24 Euro), 7000 internationale Einheiten (IU) therapeutischen Faktor nach Kenia zu transportieren, um akute Gelenk- und Muskelblutungen zu behandeln.

Mit 125 US-Dollar (rund 98 Euro) kann ein 2-tägiges Training für eine medizinische Fachkraft vor Ort bezahlt werden. Die Diagnose von zehn Menschen mit einer Blutungserkrankung in einem Entwicklungsland beziffert die WFG mit 380 US-Dollar (knapp 300 Euro). Die Kosten für ein vierwöchiges Trainingsprogramm gibt sie mit 4000 US-Dollar an (etwa 3147 Euro) (www1.wfh.org, pdf).

Das Spenden wird durch ein Angebot von WFH-Schirmherr Jan Willem André de la Porte noch attraktiver: „Um dort, wo die Not am größten ist, einen Grundstein für die Versorgung legen zu können, müssen wir alle helfen. Für jeden gespendeten Dollar werde ich zwei weitere Dollar spenden“, stellte er die sogenannte „Patron’s Challenge“ bei der Eröffnungszeremonie des WFH-Weltkongresses 2012 vor.

De la Porte, der selbst unter Hämophilie leidet, wuchs ohne die Möglichkeiten der modernen Therapie in Südafrika auf, ließ sich aber von seiner Krankheit nie unterkriegen. Seine Botschaft an andere Betroffene: „Rebelliere gegen dein Schicksal. Mit einem guten Ansatz in puncto Gesundheit und der richtigen psychologischen Einstellung kannst du alles schaffen, was du willst.“

Website zur „Close the gap“-Kampagne: www.wfh.org/en/page.aspx?pid=1391
Mehr zu De La Porte: www.wfh.org/en/page.aspx?pid=735
Quelle: WFH-Website, www.wfh.org, letzter Zugriff am 28.10.2014