Mit Hämophilie zur Zahn-OP: Blutungen fast in jedem fünften Fall

Mit Hämophilie zur Zahn-OP: Blutungen fast in jedem fünften Fall

12.06.17

Operation

BRISBANE (Biermann) – Wie ist es um Komplikationen nach dem Zähne ziehen bei Patienten mit erblichen Blutungsstörungen bestellt? Das haben australische Wissenschaftler um Dr. Jen-Ti Hsieh vom Royal Brisbane & Women’s Hospital in Brisbane analysiert. Grundlage ihrer Studie waren die Erfahrungen aus zehn Jahren, die sie mit entsprechenden Patienten an ihrer Einrichtung machten.

Zum Hintergrund erläutern sie, dass postoperative Blutungen nach dem Zähne ziehen bei diesen Patienten verlängert oder sogar lebensbedrohlich ausfallen können. An ihrer Einrichtung würde vor und nach der Operation der Einsatz von Faktorkonzentrat oder Desmopressin befürwortet, um Blutungskomplikationen zu vermeiden.

In die Untersuchung der Blutungsrate flossen Zahnextraktionen aus dem Zeitraum 2003-2012 ein. Die untersuchten Patienten litten an Blutungsstörungen wie Hämophilie A, B und der Von-Willebrand-Erkrankung.

Die Wissenschaftler überprüften rückblickend die Krankenakten zu 53 Zahn-OPs bei 45 Patienten im besagten 10-Jahres-Zeitraum. Bei 10 von 53 der Zahnextraktionen (18,9%) traten danach Blutungen auf, die eine weitere Anwendung von Faktorersatz oder Desmopressin erforderten. Bei einem Patienten, der unter leichter Hämophilie A litt, sei die Blutung nach der Operation durch die Entwicklung von Inhibitoren verkompliziert worden.

Überraschenderweise hatten weder der Typ noch der Schweregrad der Blutungsstörung, eine Entfernung von Knochen und die lokale Anwendung eines blutstillenden Mittels einen signifikanten Effekt auf Blutungen nach dem Eingriff.

Das Fazit der Wissenschaftler: Trotz des Einsatzes von Faktorkonzentraten und Desmopressin rund um die Operation bleiben die Raten postoperativer Blutungen bei Patienten mit erblichen Blutungsstörungen hoch.

Quelle: Int J Oral Maxillofac Surg. 2017 May 9. pii: S0901-5027(17)31438-8. dx.doi.org/10.1016/j.ijom.2017.04.016