Krankheitslast durch Hämophilie: Kinder in ärmeren Ländern stark benachteiligt

Krankheitslast durch Hämophilie: Kinder in ärmeren Ländern stark benachteiligt

05.06.17

Prophylaxe

SAO PAULO (Biermann) – Ob ein Junge mit schwerer Hämophilie in Sao Paulo oder Toronto zur Welt kommt, kann gravierende Auswirkungen auf seine Gesundheit haben. Wie eine neue Studie zum Vergleich der Hämophilie-Versorgung in beiden Städten zeigt, haben Kinder im ressourcenreichen Kanada bessere Chancen auf eine gesunde Entwicklung als im ärmeren Brasilien. „Unsere Befunde sprechen dafür, dass ein steigender Zugang zu Gerinnungsfaktorkonzentraten für kleine Jungen mit schwerer Hämophilie eine globale Notwendigkeit ist“, bilanzieren die Wissenschaftler um J. D. A. Carneiro vom Universitätsklinikum Sao Paulo.

Zum Hintergrund erläutern sie, dass obwohl die Prophylaxe als Therapiestandard bei schwerer Hämophilie etabliert sei, die Kosten der Faktorkonzentrate zu einem eingeschränkten Zugang zur Prophylaxe in Entwicklungs- und Schwellenländern führten. Sie untersuchten daher die Lücke in der Gesundheitsversorgung, die durch uneingeschränkten Zugang zu Gerinnungsfaktorkonzentraten geschlossen werden könnte, und zwar durch Implementierung der Langzeit-Prophylaxe von klein auf.

Zu diesem Zweck nahmen Carneiro und Kollegen eine repräsentative, zufällige Stichprobe von Jungen mit moderater bis schwerer Hämophilie unter die Lupe, die an einem von 3 Hämophilie-Zentren in Sao Paulo und an einem in Toronto behandelt wurden.

Wie den Ergebnissen zu entnehmen ist, wurden die kanadischen Jungen häufiger prophylaktisch behandelt und erhielten die Prophylaxe bereits in jüngerem Alter. In den vorangegangenen sechs Monaten hatten 19 von 50 kanadischen Studienteilnehmern Blutungen erlitten, während es in der brasilianischen Gruppe 34 von 50 waren. Auch belegten die Röntgenbilder einen besseren Zustand ihrer Gelenke (Pettersson-Score von 1,5 gegenüber 6,0 in der brasilianischen Gruppe).

Zudem fielen die Werte für die Gelenkgesundheit, die mit dem Hemophilia Joint Health Score ermittelt wurden, bei ihnen besser aus (5,5 gegenüber 10,5 in der brasilianischen Gruppe. Darüber hinaus belegen die Werte auf der Activity Scale for Kids (96,6 gegenüber 92,0) ein aktiveres Verhalten. Die Wissenschaftler ergänzen, dass sich die kanadischen Jungs länger in dynamischen Aktivitäten verausgabten und bessere Werte bei der Teilnahme an sozialen Aktivitäten zeigten.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 24.04.2017; dx.doi.org/10.1111/hae.13230