Knorpeltransplantation auch bei Hämophilie denkbar?

Knorpeltransplantation auch bei Hämophilie denkbar?

12.10.16

Sonstiges

PADUA (Biermann) – Knorpelverletzungen können unbehandelt eine Arthrose nach sich ziehen. Vor mehr als zwei Jahrzehnten wurde in Schweden eine Methode entwickelt, bei der man zur Regeneration geschädigten Knorpels Knorpelgewebe transplantiert, das aus Knorpelzellen gezüchtet wird, die zuvor dem Patienten entnommen worden sind. Mediziner sprechen von der autologen Knorpelzell- oder Chrondozyten-Transplantation (oder auch -Implantation). Autolog bedeutet „zum selben Individuum gehörig“.

Doch eignet sich diese Methode auch für Patienten mit Hämophilie, die bekanntlich oft unter hämophiler Arthropathie leiden? Dieser Frage ging ein Wissenschaftler-Team um Elena Stocco von der Universität Padua nach. Die Forscher charakterisierten die Knorpelzellen hämophiler Patienten und verglichen sie mit solchen von Patienten ohne Hämophilie. Dabei interessierte sie, ob der Kontakt mit Blut aufgrund von Gelenkblutungen die Knorpelzellen verändert.

Zu diesem Zweck sahen sie sich die Knorpelzellen unter dem Mikroskop näher an und prüften, ob sie bestimmte Gene genauso exprimieren wie Knorpelzellen von Patienten ohne Hämophilie. Ebenfalls auf den Prüfstand kamen Marker auf der Zelloberfläche und das Verhalten der Zellen auf einem biologischen Zellgerüst – letzteres diente als Modell für eine Gelenkknorpel-Prothese.

Im Aussehen und dem sogenannten Immunphänotyp, der das Vorhandensein verschiedener Antigene auf der Zelloberfläche beschreibt, ähnelten sich die Knorpelzellen von Patienten mit und ohne Hämophilie.  Auch wurden Gene in Boten-RNA überschrieben, die an der Synthese von Proteinen der extrazellulären Matrix im Knorpel beteiligt sind. Einige waren allerdings stärker aktiv als in den Knorpelzellen der nicht hämophilen Patienten.

Parallel dazu zeigte das biologische Zellmodell mit den hämophilen Knorpelzellen adäquate mechanische und biologische Eigenschaften für die Gewebezüchtung von Knorpel: Wachstum und Teilung von Knorpelzellen wurden gefördert.

Zusammengenommen bedeutet dies, dass durchaus die Möglichkeit bestehen könnte, die Knorpelzellen hämophiler Patienten für autologe Knorpelimplantate zu nutzen.

Quelle: Cell Tissue Res. 2016 Oct;366(1):51-61. dx.doi.org/10.1007/s00441-016-2408-8