Intrakranielle Blutungen: Vor allem das erste Lebensjahr ist risikobehaftet

LONDON (Biermann) – Intrakranielle Blutungen stellen bei Patienten mit erblichen Blutungsstörungen das gravierendste Blutungsereignis dar. Die Risiken und die langfristigen Konsequenzen sind jedoch unbekannt.

Forscher um Melanie Bladen von einem Londoner Hämophilie-Zentrum werteten jetzt die Erfahrungen zu Häufigkeit, Risiken und langfristigen Ergebnissen nach einer intrakraniellen Blutung bei diesen Patienten aus. Zu diesem Zweck überprüften sie eine Datenbank zu angeborenen Blutungsstörungen und Aufzeichnungen aus den Jahren 1987-2013.

Bladen und ihre Kollegen bestätigten eine intrakranielle Blutung bei 38/1111 Kindern mit angeborener Blutungsstörung. Das allgemeine Risiko für eine solche Blutung bezifferten die Autoren auf 3,4 Prozent.

Allerdings erlitten 27 der 38 Kinder diese Blutung bereits im ersten Lebensjahr (71%), darunter 18 in der Neugeborenenphase (47%). Fünf dieser 38 Kinder verstarben leider infolge der intrakraniellen Blutung (13%).

Bei 10 der 32 Überlebenden waren neurologische Folgen bekannt, darunter motorische Defizite, während bei 22 keine Anzeichen für eine neurologische Beeinträchtigung oder motorische Defizite verzeichnet waren.

Eine erneute Untersuchung war bei 17 dieser 22 Kinder möglich, wovon acht Kinder Anzeichen für motorische Defizite zeigten. Damit stieg das Risiko für signifikante neurologische motorische Defizite durch intrakranielle Blutungen von 31 auf 56 Prozent.

Das Fazit der Autoren: Die Risiken und Konsequenzen intrakranieller Blutungen waren bei angeborenen Blutungsstörungen in der Neugeborenenphase und im ersten Lebensjahr am höchsten. Motorische Defizite nach intrakraniellen Blutungen wurden bei kleinen Kindern nicht zuverlässig erkannt. Eine fortdauernde Beobachtung im ersten Jahrzehnt könne informative Unterstützung und die körperliche Rehabilitation erleichtern, ergänzen Bladen und ihre Kollegen.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 19.05.2016, dx.doi.org