Inhibitor-Entwicklung: Bei früher intensiver Primärprophylaxe geringer

Inhibitor-Entwicklung: Bei früher intensiver Primärprophylaxe geringer

08.07.16

Inhibitor, Prophylaxe, Rekombinante Produkte

Die Wissenschaftler um Kaisa Vepsäläinen vom Universitätsklinikum Kuopio kommen zu dem Schluss, dass die kumulative Häufigkeit des Auftretens einer Inhibitor-Entwicklung gering war, obwohl viele Patienten Hoch-Risiko-Mutationen aufwiesen. Ungeachtet Patienten-assoziierter Risikofaktoren helfe das Management mit früher intensiver Primärprophylaxe über implantierte Ports, Blutungen vorzubeugen und das Auftreten von Inhibitoren zu reduzieren. Als Primärprophylaxe definieren die Studienautoren die reguläre Prophylaxe vor dem Alter von zwei Jahren und vor der ersten Gelenkblutung.

In die Studie wurden alle zuvor unbehandelten Patienten einbezogen, die zwischen Juni 1994 und Mai 2013 geboren worden waren und an mindestens 75 Tagen eine Faktorersatztherapie  erhalten hatten (Expositionstage). Bis September 2013 wurde beobachtet, wie viele dieser Patienten einen Inhibitor entwickelten.

In dieser Zeit entwickelten 13 von 62 Patienten  einen Inhibitor (21%), davon 10 einen hochtitrigen (16%). Das Team um Vepsäläinen berichtet, dass 51 Patienten (82%) ab einem medianen* Alter von 11,4 Monaten eine Primärprophylaxe erhielten, davon 90 Prozent über einen implantierten Port.

Bei 63 Prozent war das Produkt, mit dem eingangs behandelt wurde, ein rekombinantes Faktor-VIII-Konzentrat und bei 37 Prozent ein Plasma-Produkt. Zusätzlich erfolgte bei 24 Prozent ein Wechsel  von einem Plasma-Produkt auf ein rekombinantes FVIII-Konzentrat.

Inhibitoren, die nicht nur vorübergehend auftreten, entwickelten sich bei neun von 51 Kindern (17,6%; 13,7% hochtitrig)  mit Primärprophylaxe und bei vier von 11 Patienten (36,4%; 27,3% hochtitrig) mit Sekundärprophylaxe (P=0,24).

Wie die Forscher ergänzen, zeigten 74 Prozent der Patienten einen Genotyp mit hohem Risiko, wobei die Verbreitung in den Prophylaxe-Gruppen ähnlich war.

Ein weiterer Befund war, dass eine bereits erfolgte schwere Blutung das Risiko für die Inhibitor-Entwicklung um das Vierfache erhöhte (adjustierte Hazard Ratio 4,0; 95%-KI 1,2–13,7). Hingegen erhöhten weder die Intensität der FVIII-Therapie noch die Herkunft der Präparate oder eine frühe Implantation von Ports das Risiko für die Entwicklung von Inhibitoren.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 24.06.2016; dx.doi.org/10.1111/hae.12974

*Der Median oder Zentralwert ist ein Mittelwert für Verteilungen in der Statistik.

K.Vepsäläinen et al.: Inhibitor development in previously untreated patients with severe haemophilia A: a nationwide multicentre study in Finland