Immuntoleranzinduktion plus Immunglobulin kann Inhibitoren früh beseitigen

Immuntoleranzinduktion plus Immunglobulin kann Inhibitoren früh beseitigen

08.02.16

Faktor VIII, Hämophilie A, Inhibitor, Rekombinante Produkte

HIROSHIMA (Biermann) – Bei manchen hämophilen Patienten wird die Faktor-VIII-Therapie durch Inhibitoren verkompliziert oder gar unmöglich gemacht. Die Immuntoleranz-Induktion (ITI) ist die einzige Strategie, die erwiesenermaßen persistierende Inhibitoren beseitigen kann. Bei etwa 70 Prozent der Patienten mit Hämophilie sei sie erfolgreich, heißt es in der Zusammenfassung einer aktuellen japanischen Studie.

Eine Minderheit der hämophilen Patienten weise jedoch lebenslänglich Inhibitoren auf, schreiben die Wissenschaftler um Yoko Mizoguchi von der Hiroshima University Graduate School of Biomedical and Health Sciences. Um solchen Patienten zu helfen und auch „hartnäckige“ Inhibitoren zu eliminieren, konzipierten die Forscher eine Strategie mit der intravenösen Gabe von Immunglobulin (IVIG) in Kombination mit hochdosiertem rekombinantem Faktor VIII (FVIII) für die ITI.

Bei den Studienteilnehmern handelte es sich um vier zuvor unbehandelte Kinder mit Hämophilie A, die im Zeitraum von 16 FVIII-Infusionen Inhibitoren entwickelt hatten. Die maximalen Inhibitortiter dieser Patienten reichten von 3 bis zu 14 Bethesda-Einheiten (BU)/ml.  Diese Patienten erhielten die ITI kombiniert mit IVIG innerhalb von 1,5 Monaten, nachdem die Inhibitoren festgestellt worden waren.

Alle Patienten hätten innerhalb von 28 Tagen einen negativen Inhibitor-Titer gezeigt, ohne erneute Produktion von Antikörpern gegen FVIII. Der Recovery-Wert von FVIII wurde innerhalb von 3 Monaten nach Beginn der ITI normalisiert. Dieser Wert wird innerhalb von 10 bis 15 Minuten nach Beendigung der Infusion bestimmt, um das Maximum des Faktorspiegels im Blut zu erfassen.

Ein weiterer Zyklus der IVIG-Gabe habe dazu geführt, dass 20 Monate nach Beginn der ITI-Therapie eine vollständige Immuntoleranz bei allen Patienten zu beobachten gewesen sei, berichten die Wissenschaftler.

„Die ITI-Behandlung mit hochdosiertem FVIII in Kombination mit IVIG kann zur frühen Eliminierung von Inhibitoren effektiv sein“, schlussfolgern sie.

Quelle: Int J Hematol. 2016 Feb 1. [Epub ahead of print]; http://link.springer.com/