Hüftgelenkersatz bei Hämophilie: Individuelle Entscheidung wichtig

Hüftgelenkersatz bei Hämophilie: Individuelle Entscheidung wichtig

10.08.16

Arthropathie, Operation, Schmerzen

BONN (Biermann) – Neben den Zielgelenken (Ellbogen, Knie und Sprunggelenk) ist auch die Hüfte oft von hämophiler Arthropathie betroffen. Eigentlich ist der Hüftgelenkersatz die Therapie der Wahl, wenn eine konservative Therapie versagt hat. Doch es gibt nur wenige Daten zu den Langzeitergebnissen nach einem ersten Hüftgelenkersatz.

Wissenschaftler um Dr. Andreas C. Strauss von der Universität Bonn stellten jetzt in einer rückblickenden Studie fest, dass der Hüftgelenkersatz bei Patienten mit schwerer Hämophilie zu einem bedeutsamen Anstieg der Funktionsfähigkeit, einer Minderung der Schmerzen und einer hohen Zufriedenheit führte.

Aufgrund der relativ hohen Komplikationsrate (Infektionen und aseptische Lockerung) –  verglichen mit Patienten ohne Hämophilie – sei aber eine individuelle Beurteilung des Risiko-Nutzen-Verhältnisses aus Sicht des Chirurgen und des Hämostaseologen wichtig.

Strauss und seine Kollegen werteten rückblickend die Ergebnisse von 43 Hämophilie-Patienten, einem Patient mit Von-Willebrand-Erkrankung und einem Patienten mit Faktor-VII-Mangel, die sich insgesamt 49 Hüftgelenkersatz-Operationen unterzogen, aus.

Dazu beurteilten sie den sogenannten Harris Hip Score (HHS), den Bewegungsumfang, den Schmerzstatus, die Komplikationsrate sowie die Patientenzufriedenheit nach durchschnittlich 11,5 Jahren (Spanne 3-32 Jahre).

Wie die Wissenschaftler beobachteten, verbesserten sich der HHS, der Bewegungsumfang und die Schmerzen signifikant – was die Patienten sehr zufrieden stellte.

Insgesamt traten 3 Infektionen an Prothesen (6,1%) und 5 aseptische Lockerungen des Implantats (10,2%) auf, die zu einer erneuten Hüftgelenkersatz-Operation führten. In 2 Fällen (4,1%) mussten ein Pseudotumor und eine Verknöcherung rund um das Gelenk nach dem Hüftgelenkersatz entfernt werden.

Studie: Haemophilia, online erschienen im Juli 2016; dx.doi.org/10.1111/hae.13045