Herz-Kreislauferkrankungen auch bei Hämophilie nicht selten

Herz-Kreislauferkrankungen auch bei Hämophilie nicht selten

15.10.15

Sonstiges

LONDON/ONTARIO (Biermann) – Dank der modernen Hämophilie-Therapie können hämophile Menschen heute mit einer gegenüber früher stark erhöhten, teilweise normalen Lebenserwartung rechnen. Damit einher gehen allerdings – wie bei Menschen ohne Hämophilie – typische Krankheiten des höheren Alters, wie zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen.

Eine neue Studie aus Kanada nahm Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und -Probleme bei 294 hämophilen Patienten ab 35 Jahren unter die Lupe. Dazu bedienten sich die Forscher um Dr. Leonard Minuk von der Western University in London/Ontario der Krankenakten mehrerer Zentren, die sie rückblickend auswerteten.

In die Analyse eingeschlossen wurden 222 (75,5%) Patienten mit Hämophilie A und 72 (24,5%) mit Hämophilie B.  Die Patienten waren am Ende der knapp sechs Jahre, über die ihr Gesundheitszustand im Mittel beobachtet wurde, im Median* 54 Jahre alt (Spanne 36-90).

Wie sich zeigte, wiesen viele Patienten kardiovaskuläre (= das Herz und den Kreislauf betreffende) Risikofaktoren auf: 90 litten unter Bluthochdruck (31,3%), 61 rauchten (21,8%), 68 waren fettleibig (27,6%), bei 65 waren die Blutfettwerte nicht in Ordnung (22,4%), bei 24 lagen Herz-Kreislauferkrankungen in der Familie (8,5%) und 36 befanden sich unter antiretroviraler Therapie (12,2%).

Insgesamt 24 sogenannte kardiovaskuläre Ereignisse waren in der untersuchten Gruppe aufgetreten: Diese Ereignisse bestanden in 14 Fällen in einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, in vier Fällen in einer Erkrankung der Blutgefäße des Gehirns und in sieben Fällen aus Vorhofflimmern.

Die Erkrankung der Herzkranzgefäße wurde bei drei Patienten mit einer Herzbypass-Operation und bei neun Patienten mit einer perkutanen Koronarintervention behandelt. Bei einem solchen Eingriff kann mittels eines Ballonkatheters eine verengte Stelle in einem Herzkranzgefäß aufgedehnt und ein Stent eingesetzt werden. Zudem zeigte die Auswertung, dass die kardiovaskulären von drei leichteren und drei schweren Blutungsereignissen verkompliziert wurden.

„Kardiovaskuläre Risikofaktoren und Ereignisse sind bei Menschen mit Hämophilie relativ weit verbreitet“, lautet das Fazit der Wissenschaftler. Hämophile Patienten könnten bei kardiovaskulären Ereignissen mit ähnlichen Eingriffen behandelt werden wie Menschen ohne Hämophilie, wenngleich spezifische Protokolle zur Gerinnungsfaktor-Prophylaxe nicht gut definiert seien, ergänzen sie.

Quelle: Haemophilia 2015;21(6):736-41. Dx.doi.org/10.1111/hae.12768 

*Der Median ist ein Mittelwert für Verteilungen in der Statistik.