Hämophilie-Management per App

Hämophilie-Management per App

29.01.15

Sonstiges

NEW YORK (Biermann) – Bei der Geschwindigkeit, mit der sich Smartphones durchgesetzt haben, wird es vermutlich auch nicht mehr lange dauern, bis das Hämophilie-Management per App vollständig Einzug in die Hämophilie-Therapie hält. Ein Artikel im Magazin „Hemaware“ der US-amerikanischen National Hemophilia Foundation gibt eine Übersicht über den aktuellen  Stand der Dinge in den USA.

Demnach kann das Notieren von Blutungen, von Infusionen zur Prophylaxe und des Bestandes an Gerinnungsfaktoren per Smartphone – statt in Papierform – das Leben der Betroffenen vereinfachen. Medizinische Apps würden fast genauso schnell angenommen, wie sie entwickelt würden, zitiert der Artikel die FDA-Website.

Darüber hinaus können die elektronischen Aufzeichnungen Ärzten dabei helfen, die Therapie zu optimieren.  So kann der Patient vor dem anstehenden Besuch im Hämophilie-Zentrum seine elektronischen Aufzeichnungen an seinen Arzt schicken. Damit lässt sich die Frage, wie es ihm in den letzten sechs Monaten ergangen ist, sehr viel präziser beantworten als aus dem Gedächtnis.

Dr. Steven Pipe, pädiatrischer Leiter des Hemophilia and Coagulation Disorders Program am University of Michigan Health System in Ann Arbor, erhofft sich von den mobilen Apps eine maßgeschneiderte Therapie. Es gehe darum, präziser zu werden, zu verstehen, wie das Faktor-Konzentrat, das ein Patient verwendet, in ihm wirkt – wie hoch die mit einer bestimmten Menge erzielten Faktor-Spiegel sind und wie lange sie anhalten.

Denn wenn die App dem Patienten Echtzeitdaten zum genauen Faktor-Spiegel zu jeder Stunde des Tages liefern kann, können Blutungen weiter eingeschränkt werden. Pipe arbeitet seit zehn Jahren mit dieser Behandlungsmethode. Bei seinen Patienten habe es, als sie erfuhren, wie hoch ihre Faktor-Spiegel jeden Tag sind, einige Aha-Momente gegeben, erzählt der Experte.

Das Wissen um die präzisen Werte ermöglicht es, zum Beispiel entweder sportliche Aktivitäten anders zu planen oder aber das Infusionsschema zu ändern.  Wenn etwa ein Junge zum Fußballtraining möchte, kann das Team des betreuenden Hämophilie-Zentrums sein Prophylaxe-Schema entsprechend anpassen.

Noch scheinen in Deutschland nicht viele Hämophilie-Apps auf dem Markt zu sein. Laut einem Bericht der „Ärzte-Zeitung“ vom 14. November 2014 nutzen zehn Prozent der hämophilen Patienten die „smart medication“-App und das Portal sowie 30 bis 40 Prozent der spezialisierten Ärzte die zugehörige Telemonitoring-Plattform. Der Knackpunkt ist, dass die Ärzte den mit der telemedizinischen Versorgung verbundenen Aufwand bislang ohne Vergütung erbringen.

Der Hemaware-Artikel erwähnt unter anderem die App von MicroHealth, einem unabhängigen Entwickler, die auch hierzulande auf Englisch aus dem Google-Play-Store heruntergeladen werden kann.

Quellen: Hemaware, Herbst 2014, www.hemaware.org; Ärzte-Zeitung, 14.11.2014