Hämophilie kann das Risiko für Knochenbrüche erhöhen

Hämophilie kann das Risiko für Knochenbrüche erhöhen

10.07.15

Arthropathie, Prophylaxe, Sonstiges

THESSALONIKI (Biermann) – Die Krankheit Osteoporose oder Knochenschwund ist allgemein bekannt. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um die sogenannte primäre Osteoporose, die ohne erkennbaren Grund entsteht. Von einer sekundären Osteoporose sprechen Mediziner hingegen, wenn sie durch eine Grunderkrankung ausgelöst wird.

Wie Forscher um Panagiotis Anagnostis von der Aristoteles-Universität in Thessaloniki berichten, sind Hämophilie A oder B trotz der zunehmenden Belege für einen Zusammenhang mit einer geringen Knochendichte bislang bei den klassischen Ursachen einer sekundären Osteoporose nicht berücksichtigt worden.

Die exakten Mechanismen seien noch nicht vollständig aufgeklärt, körperliche Inaktivität und Vitamin-D-Mangel schienen bei solch einem Zusammenhang aber eine wichtige Rolle zu spielen. Außerdem werde die Knochenmasse durch Virusinfektionen und Arthropathie weiter beeinträchtigt, geben die Forscher zu bedenken.

Neben einer geringen Knochendichte schienen Patienten mit Hämophilie außerdem ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und Stürze zu haben.

Laut Anagnostis und Kollegen könnte das FRAX-Instrument zur Einschätzung des Risikos für Knochenbrüche bei hämophilen Patienten hilfreich sein. FRAX steht für „WHO Fracture Risk Assessment Tool“. Dabei handelt es sich um einen computerbasierten Algorithmus zur Berechnung des Risikos, in den folgenden zehn Jahren eine Osteoporose-bedingte Fraktur zu erleiden.

Regelmäßiges Training, die Prophylaxe mit Faktorkonzentrat bei schwerer Hämophilie, Strategien zur Sturzprävention und die Optimierung der Aufnahme von Kalzium und Vitamin D seien empfehlenswert, so die Wissenschaftler. In jedem Fall halten sie einen individualisierten Ansatz unter Beteiligung mehrerer Fachdisziplinen und eine sorgfältige Beurteilung  des Knochenbruchrisikos samt entsprechendem Management für ratsam.

Quelle: Blood Coagul Fibrinolysis. 2015 Jun 26. [Epub ahead of print]; www.ncbi.nlm.nih.gov