Gentherapie bei Faktor-VII-Mangel: Stadium für klinische Studien mit Patienten erreicht

Gentherapie bei Faktor-VII-Mangel: Stadium für klinische Studien mit Patienten erreicht

15.02.16

Operation

PHILADELPHIA (Biermann) – US-Wissenschaftlern ist es gelungen, bei Hunden einen Faktor-VII-Mangel mit einer einzelnen gentherapeutischen Injektion zu korrigieren. Darin sehen die Forscher ein erhebliches Potenzial, um Menschen mit derselben Blutungsstörung zu behandeln.

„Unser Befund ist von großer klinischer Relevanz für Patienten mit Faktor-VII-Mangel”, sagte Studienleiter Paris Margaritis vom Children’s Hospital of Philadelphia (CHOP). „Diese Hunde haben den Typ von Mutation, wie er bei der Mehrheit der Patienten mit dieser Erkrankung gefunden wird. Von daher könnte dieser Ansatz zu einer anhaltenden Gentherapie für Menschen führen.” Die Studie ist am 23. Dezember online in „Blood” erschienen. Das Team von Margaritis arbeitete mit Wissenschaftlern der University of North Carolina um Prof. Tim Nichols zusammen.

Faktor-VII(FVII)-Mangel trifft etwa einen von 300.000 bis 500.000 Menschen und kommt bei Männern und Frauen gleichermaßen vor. Die Betroffenen leiden – da ebenso wie bei Hämophilie ein Blutgerinnungsfaktor fehlt – unter übermäßigen Blutungen im zentralen Nervensystem oder im Magen-Darm-Trakt, ebenso nach Operationen oder Verletzungen. Bei Frauen mit Faktor-VII-Mangel können übermäßig starke Menstruationsblutungen auftreten.
FVII-Mangel kann wie auch Hämophilie in unterschiedlichen Schweregraden auftreten, wobei rund 40 Prozent der Patienten eine schwere Erkrankung haben. Die Behandlung erfolgt ebenfalls in der Regel mit regelmäßigen Infusionen von Gerinnungsfaktor.

Bei Gentherapien, die zur Behandlung von Blutungsstörungen eingesetzt werden könnten, geht es darum, die DNA mit dem Code für den spezifischen fehlenden Gerinnungsfaktor in den Körper einzubringen. Forscher des CHOP und anderer Zentren haben einen Adeno-assoziierten Virus (AAV), der keine Krankheit verursacht, biotechnologisch dahingehend verändert, dass er als Vektor DNA in Zellen einfügen kann. Dort kann er dann genug Faktor herstellen, damit das Blut normal gerinnt. In den vergangenen 15 Jahren haben die Hämatologie-Experten am CHOP klinische Studien zur Gentherapie für Hämophilie B vorgenommen, die geholfen haben, die Effektivität und die Dosierungen für Menschen zu bestimmen.

Nichols charakterisierte den FVII-Mangel in vier einzelnen Hunden. Anhand der von Margaritis gelieferten AAV-Vektoren injizierte Nicholes den Hunden unterschiedliche Dosierungen und beobachtete ihre Gesundheit und  biologischen Marker über mehrere Jahre.

Die behandelten Hunde stellten langfristig und stabil den Gerinnungsfaktor VII in Konzentrationen her, die bei Menschen therapeutisch wären. Bei einem Hund hielten die Effekte beinahe drei Jahre an. Wenn man von den Nieren- und Leberfunktionen sowie den Blutbildern der Hunde ausgeht, war die Behandlung sicher und führte nicht zu unerwünschten Immunreaktionen.

Damit ist der Weg für klinische Studien bei Menschen bereitet. Von dieser Gentherapie könnten vor allem kleine Kinder mit schweren Blutungen aufgrund von FVII-Mangel profitieren. „Diese Arbeit ist sehr interessant und vielversprechend”, sagte Nichols und fügte hinzu: „Die FVII-defizienten Hunde vertrugen die anfänglichen Gentherapie-Infusionen sehr gut und haben über eine Nachbeobachtung von mehreren Jahren keine Nebenwirkungen gezeigt. In anderen ähnlichen Studien an Hunden mit Hämophilie B haben sich ähnlich positive Befunde auf Menschen mit Hämophilie B übertragen lassen.”

Quelle: CHOP, 20.01.2016 http://www.eurekalert.org/ 
http://doi.org/10.1182