Gefäßumbau begünstigt erneute Gelenkblutungen

Gefäßumbau begünstigt erneute Gelenkblutungen

10.08.15

Arthropathie, Blutungen, Faktor VIII, Forschung

LA JOLLA (Biermann) – Treten (trotz adäquater Prophylaxe) wiederholt Blutungen in den Gelenken auf, wird das Gelenk bekanntlich geschädigt – Mediziner sprechen von hämophiler Arthropathie.  Unbekannt sind hingegen die Mechanismen, die zu den wiederholten Spontanblutungen führen. Ein Forscherteam um V. Bhat vom Scripps Research Institute in La Jolla, untersuchte, ob bzw. wie sich die Innenauskleidung (Synovialmembran) der Gelenke und der „Gelenkschmiere“ (Synovia), die Gefäße, das Bindegewebe und der Knorpel als Reaktion auf eine einzelne Gelenkblutung bei einer Maus mit Faktor-VIII-Mangel veränderten.

Dabei beobachteten sie, dass sich das Weichgewebe übermäßig ausbreitete und eine Neubildung von Gefäßen angeregt wurde, die allerdings in einer abnormalen Gefäß-„Architektur“ resultierte.

Während nun die Veränderungen am Weichgewebe schnell umkehrbar waren, blieb die abnormale Versorgung des Gewebes mit Blutgefäßen und Kapillaren über Monate bestehen. Überraschenderweise wurde sie sogar in nicht verletzten Gelenken gefunden.

Die Gefäßveränderungen bei den Mäusen mit Faktor-VIII-Mangel gingen mit einer deutlichen Umformung einher, wobei bestimmte Proteine produziert wurden: das α-Smooth Muscle Actin (SMA), das Endoglin (CD105) und der vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktor. Zudem war die Durchblutung der Gelenke verändert.

Diese Veränderungen der Gefäß-„Architektur“ und die ausgeprägte Produktion von α-SMA scheinen nur bei Hämophilie aufzutreten, schreiben die Forscher. In Knorpelgewebe von Mausmodellen für rheumatoide Arthritis und Arthrose  und auch von Patienten mit diesen Erkrankungen sind sie nicht zu beobachten.

Belege dafür, dass die Gefäßveränderungen bei Hämophilie signifikant mit den Blutungen und der Verschlechterung des Gelenkzustandes einhergingen, fanden sich bei 26 hämophilen Patienten. Insgesamt 156 Gelenke (Ellbogen, Knie und Sprunggelenke) dieser Patienten untersuchten Bhat und Kollegen mit Ultraschalluntersuchungen von Muskeln und Skelett sowie dem sogenannten Power- Doppler-Ultraschall, mit dessen Hilfe der Blutfluss sichtbar wird. Die Untersuchungen erfolgten zu Studienbeginn sowie während schmerzhafter Episoden.

„Diese Beobachtungen stützen die Hypothese, dass eine Umformung der Gefäße signifikant zu erneuten Blutungen und der Entwicklung der hämophilen Arthropathie beiträgt“, schlussfolgern die Forscher. Auf Basis dieser Befunde sollte erwogen werden, molekulare Ziele für die Hemmung der Entstehung neuer Blutgefäße aus vorbestehenden Blutgefäßen zu entwickeln, ergänzen sie.

Quelle: Am J Hematol. 2015 Aug 7. [Epub ahead of print] dx.doi.org/10.1002/ajh.24133