Früherer Behandlungsbeginn – weniger Einschränkungen

Früherer Behandlungsbeginn – weniger Einschränkungen

15.09.15

Forschung

GÖTEBORG (Biermann) – Wie schätzen schwedische Männer mit mittelschwerer oder schwerer Hämophilie A und B ihre Funktionsfähigkeit ein? Wie würden sie ihre Aktivitäten und ihre Teilhabe am täglichen Leben bewerten? Diesen Fragen ging ein Wissenschaftlerteam um Elisabeth Brodin von der Universität Göteborg nach. Zudem interessierte die Forscher, ob es einen Unterschied machte, dass eine Behandlung früh oder erst später begonnen hatte.

Für ihre Studie verschickten sie verschiedene Fragebögen an 225 betroffene Männer und luden sie ein, an der Untersuchung teilzunehmen. Konkret waren das die „Haemophilia Activity List” (HAL), die „Arthritis Impact Measurement Scales” (AIMS2) und der Fragebogen „Impact on Participation and Autonomy” (IPA-S).

Bei ihrer Auswertung ermittelten sie für die abgefragten Bereiche jeweils den Median* und die Minimal- und Maximalwerte. Dabei zeigt ein höherer Wert eine stärkere Behinderung an.

Insgesamt 84 Männer zwischen 18 und 80 Jahren kamen der Einladung nach. Die Werte für die HAL zeigten, dass Probleme in den Beinen die Befragten mit einem Median von 40 Punkten (0-100) wesentlich mehr belasteten als die Selbstfürsorge (Median: 4 Punkte [0-92]) und Aufgaben im Haushalt (Median: 3 Punkte [0-87]).

Die mit dem Messinstrument „AIMS2” ermittelten Werte bestätigten dies, ebenso wie eine etwas eingeschränkte Autonomie außerhalb der Wohnung (Medianwert laut IPA-S 17,5 [0-90]).

Ein wichtiger Punkt ist die Erkenntnis, dass Teilnehmer mit späterem Therapiebeginn mehr Einschränkungen im Alltagsleben angaben.

Aus ihren Ergebnissen ziehen Brodin und ihre Kollegen den Schluss, dass Studienteilnehmer sich stärker in den Aktivitäten eingeschränkt fühlten, die mit den Beinen zu tun hatten als mit Bereichen, in denen eher die Arme gefragt sind.

Ihre Studie habe zudem gezeigt, wie wichtig es ist, verschiedene Fragebögen einzusetzen, um die Perspektive des Patienten zu erfassen. Außerdem stellten sie eine wichtige Ergänzung zu anderen Instrumenten der klinischen Beurteilung dar.

Quelle: Eur J Haematol. 2015 Oct;95(4):336-41.

*Der Median ist ein Mittelwert für Verteilungen in der Statistik. (Quelle: wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Median