Fitness hämophiler Jungen und junger Männer schwächelt in bestimmten Bereichen

Fitness hämophiler Jungen und junger Männer schwächelt in bestimmten Bereichen

05.02.15

Gesundheit, Sonstiges

BONN (Biermann) – Wie fit sind hämophile Jungen und junge Männer? Zu dieser Frage gibt es eine Menge Studien, die jedoch diverse Einschränkungen haben: Sie befassen sich entweder mit bestimmten sportspezifischen motorischen Fähigkeiten oder konzentrieren sich auf eine einzelne Fitnesskomponente. Außerdem umfassen solche Untersuchungen in der Regel nur kleine Patientengruppen.

Das wollte ein Forscherteam um Dr. Axel Seuser, Bonn, nun ändern und verglich die Körperzusammensetzung und die körperliche Fitness in jeglicher Hinsicht mit den Eigenschaften gesunder Gleichaltriger. Zu diesem Zweck besuchten die Wissenschaftler zwischen 2002 und 2009 insgesamt 21 deutsche Hämophilie-Zentren. In ihre Untersuchungen schlossen sie 285 Jungen beziehungsweise junge Männer zwischen acht und 25 Jahren ein. Das durchschnittliche Alter lag bei 13 Jahren, 164 Studienteilnehmer litten an einer schweren Form von Hämophilie.

Alle Teilnehmer mussten einen fünfstufigen Fitnesstest absolvieren, der sportspezifische motorische Fähigkeiten zur Koordination (gemessen anhand des Einbeinstandes), Kraft, aerobe Fitness und Beweglichkeit maß. Außerdem wurde die Körperzusammensetzung bestimmt. Anschließend verglichen Seuser und sein Team die Ergebnisse der Patienten mit Referenzwerten gesunder Gleichaltriger.

Die Auswertung zeigte, dass die hämophilen Studienteilnehmer beim Test zum Einbeinstand signifikant schlechter abschnitten als die gesunden Gleichaltrigen. Das traf auch auf die Beweglichkeit der Beine, das Verhältnis der Kraft von Brust- und Rückenmuskulatur sowie den Ausdauertest zu.

Anders bei der Körperzusammensetzung, der Kraft der Rückenmuskeln und der Mobilität der Arme: Hier lagen die hämophilen Studienteilnehmer signifikant über den Referenzwerten. Kein Unterschied zeigte sich bei der Kraft der Bauchmuskulatur.

Mit diesem Wissen um die spezifischen Unterschiede in unterschiedlichen Fitnessbereichen zwischen hämophilen und gesunden Jungen bzw. jungen Männern sei es nun möglich, Trainingsprogramme auszuarbeiten, um die verminderten Fitness-Fähigkeiten der hämophilen Patienten auszugleichen, bilanzieren die Wissenschaftler.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 04.02.2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12636