Entbindungen bei Frauen mit Blutungsstörungen: Leider oft nicht problemlos

Entbindungen bei Frauen mit Blutungsstörungen: Leider oft nicht problemlos

15.04.15

Konduktorin, Prophylaxe, Schwangerschaft

ROTTERDAM (Biermann) – Hämophilie A tritt bekanntlich fast ausschließlich bei Jungen und Männern auf. Doch bei Frauen, die das defekte X-Chromosom übertragen (Konduktorinnen), ist die Blutgerinnung offenbar ebenfalls in gewissem Maße beeinträchtigt. Darauf weist eine rückblickende Auswertung der 185 Entbindungen von 154 Frauen (Zeitraum 2002-2011) hin, die entweder an der Von-Willebrand-Erkrankung litten oder Konduktorinnen waren.

Um Blutungen nach der Geburt zu vermeiden, benötigen betroffene Schwangere rund um die Geburt eine spezialisierte Versorgung. Wie die Wissenschaftler um S. C. M. Stoof vom Erasmus Medisch Centrum Rotterdam schreiben, sei eine prophylaktische Behandlung gemäß den internationalen Leitlinien angezeigt, wenn die Konzentrationen der Gerinnungsfaktoren im letzten Schwangerschaftsdrittel unter 0,50 IE/ml liegen. Die optimale Dosis und Dauer seien jedoch nicht bekannt, daher könnten dennoch Blutungen auftreten.

Im Rahmen ihrer Studie erfassten die Autoren Daten zum Blutverlust, Charakteristika der Blutungsstörung und geburtshilfliche Risikofaktoren. Das Ergebnis, das die Forscher interessierte, waren die sogenannten primären postpartalen (= nachgeburtlichen) Blutungen (Primary postpartum haemorrhage, kurz PPH). Diese sind als Blutverlust von bis zu 500 ml in den 24 Stunden nach der Entbindung beziehungsweise von bis zu 1000 ml bei schweren PPH definiert.

Eine primäre PPH trat bei 62 Entbindungen auf (34%), wobei 14 (8%) sich sogar zu einer schweren PPH entwickelten. Bei 26 Entbindungen waren die Frauen prophylaktisch behandelt worden, da ihre Faktorspiegel im letzten Schwangerschaftsdrittel unter dem oben genannten Grenzwert lagen. Von diesen 26 Entbindungen wurden 14 (54%) durch eine PPH verkompliziert. Somit ergab sich für die Entbindungen mit prophylaktischer Behandlung ein nahezu dreimal höheres PPH-Risiko als für Entbindungen, bei denen eine Prophylaxe nicht angezeigt war.

Aus Sicht der Wissenschaftler sind diese Zahlen nicht zufriedenstellend. Sie plädieren für weitere Studien, um den Umgang mit Entbindungen bei Frauen mit Blutungsstörungen zu optimieren.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 16.02.2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12635

Primary postpartum haemorrhage in women with von Willebrand disease or carriership of haemophilia despite specialised care: a retrospective survey