Entbindung hämophiler Kinder: Kaiserschnitt sinnvoll

Entbindung hämophiler Kinder: Kaiserschnitt sinnvoll

10.06.15

Operation, Schwangerschaft

LONDON (Biermann) – Einzelne Studien führen mitunter zu unklaren oder widersprüchlichen Ergebnissen. Abhilfe schaffen in solchen Fällen wissenschaftliche Arbeiten, die mehrere Studien zu einem Thema unter die Lupe nehmen und analysieren. Eine solche Meta-Analyse haben J. Davies und Rezan A. Kadir vom Royal Free Hospital NHS Foundation Trust in London durchgeführt, um festzustellen, auf welche Art und Weise hämophile Säuglinge am besten entbunden werden, um Blutungen innerhalb des Schädels (=intrakraniell) möglichst zu vermeiden. Solche Blutungen treten bei hämophilen Neugeborenen häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.

Davies und Kadir stellten fest, dass ein Kaiserschnitt das geringste Risiko für eine intrakranielle Blutung beim Neugeborenen mit sich bringt. Vaginal-operative Entbindungen (z.B. mit Geburtszange oder Saugglocke) sollten hingegen vermieden werden, da sie das Risiko für eine intrakranielle Blutung deutlich erhöhen.

Die Zahlen im Einzelnen: Neugeborene mit Hämophilie haben – verglichen mit der Allgemeinbevölkerung – ein 44-fach erhöhtes Risiko, bei der Geburt eine symptomatische intrakranielle Blutung zu erleiden, und ein achtfach erhöhtes Risiko für eine Blutung außerhalb des Schädels.

Bei Neugeborenen mit Hämophilie war die Wahrscheinlichkeit für eine intrakranielle Blutung bei vaginal-operativen Entbindungen 4,4-mal so hoch wie bei vaginalen Entbindungen. Beim Kaiserschnitt war sie hingegen im Vergleich zu einer vaginalen Entbindung auf ein Drittel reduziert.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 20. Mail 2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12726