Bluthochdruckneigung bei Hämophilie: Nierenblutungen offenbar kein spezifischer Risikofaktor

Bluthochdruckneigung bei Hämophilie: Nierenblutungen offenbar kein spezifischer Risikofaktor

10.05.16

Bluthochdruck

VANCOUVER (Biermann) – Hämophile Menschen leiden Beobachtungen zufolge häufiger unter Bluthochdruck als ihre Altersgenossen ohne Hämophilie. Die Ursachen dafür sind jedoch unklar. Bislang habe es nur wenige Daten gegeben, die auf Hämophilie-spezifische Risikofaktoren wie Nierenblutungen hinweisen, erläutern Forscher um Haowei Linda Sun von der University of British Columbia zum Hintergrund ihrer aktuellen Studie.

Die Wissenschaftler schlossen 135 erwachsene hämophile Männer mit leichter bis schwerer Hämophilie, die an den Hämophilie-Zentren von British Columbia und der University of California San Diego behandelt wurden, in ihre Studie ein. Bei allen routinemäßigen Arztbesuchen wurde in Form eines Screenings der Urin analysiert und mikroskopisch untersucht. Blut im Urin (Hämaturie) definierten die Forscher als entweder deutlich sichtbares Blut im Urin oder wenn mehr als 3 rote Blutkörperchen pro Gesichtsfeld unter dem Mikroskop gesehen wurden, ohne dass eine Harnwegsinfektion vorgelegen hätte.

Sun und ihre Kollegen stellten fest, dass bei 44 Prozent der Patienten ein Bluthochdruck vorlag, von denen 31 Prozent eine angemessene Blutdruckkontrolle erreichten. Obwohl sie bei vielen Studienteilnehmern (34%) Blut im Urin feststellten, war eine Fehlfunktion der Nieren jedoch selten.

In der univariaten Analyse hingen das Alter, Diabetes, schlechte Blutfettwerte und Fettleibigkeit mit Bluthochdruck zusammen. In der multivariaten Analyse blieb jedoch nur das Alter als ein bedeutsamer Vorhersagefaktor für Bluthochdruck übrig. Blut im Urin war weder mit Bluthochdruck noch mit Nierenschwäche oder dem Schweregerad der Hämophilie assoziiert.

Bei den Patienten seien zwar häufig Bluthochdruck und Blut im Urin aufgetreten, Nierenerkrankungen seien jedoch selten gewesen, bilanzieren die Autoren. Blut im Urin habe weder mit der Diagnose Bluthochdruck noch mit Nierenschwäche zusammengehangen. Um die Mechanismen des vermehrten Auftretens von Bluthochdruck bei hämophilen Menschen besser zu verstehen, seien umfangreichere prospektive Studien erforderlich, ergänzen sie.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 31.03.2016; dx.doi.org