Akute Koronarsyndrome auch bei hämophilen Männern möglich

Akute Koronarsyndrome auch bei hämophilen Männern möglich

01.04.15

Forschung, Gesundheit

PHILADELPHIA (Biermann) – Wie stark sind hämophile Männer im Hinblick auf Herz-Kreislaufprobleme gefährdet? Dies ist immer wieder Gegenstand von Diskussionen und noch nicht abschließend geklärt.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, untersuchten Forscher um Dr. Patrick F. Fogarty vom Penn Comprehensive Hemophilia and Thrombosis Program, Philadelphia, das Auftreten der sogenannten akuten Koronarsyndrome (ACS) bei hämophilen Patienten. Unter den ACS versteht man einerseits eine instabile Angina pectoris, die sich durch anfallsartige Schmerzen in der Brust äußert, und andererseits Herzinfarkte.

Für die Studie füllten Mitglieder eines internationalen Konsortiums, das mehr als 2000 hämophile Patienten umfasst, rückblickend Vordrucke zu Episoden akuter Koronarsyndrome in einem Zeitraum von mehr als 10 Jahren aus (2003-2013).

Insgesamt 20 Episoden eines akuten Koronarsyndroms waren bei 19 Patienten aufgetreten, was eine Rate von 0,8 Prozent ergab. Sieben Patienten (37%) waren unter 50 Jahre alt; 10 (53%) hatten drei oder mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren.

In 5 der 20 Episoden (25%) wurde das ursprüngliche Behandlungsprotokoll für das akute Koronarsyndrom aufgrund der Blutungserkrankung geändert. Bei keinem der acht Patienten mit schwerer Hämophilie wurde eine Herzbypass-OP durchgeführt, verglichen mit 54,5 Prozent der Patienten, deren Hämophilie nicht schwer ausgeprägt war.Eine

iedereröffnung des Gefäßes mit perkutaner Koronarintervention oder Herzbypass-OP wurde in 13/13 Fällen als erfolgreich beurteilt, ohne übermäßige Blutungen während der anfänglichen Behandlung.

Unter der dauerhaften Therapie mit Wirkstoffen, welche die Verklumpung von Blutplättchen hemmen (Thrombozytenaggregationshemmer wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure), kam eine sekundäre Hämophilie-Prophylaxe bei Patienten mit schwerer Hämophilie häufiger (85,7%) zum Einsatz als bei jenen, deren Hämophilie nicht schwer ausgeprägt war (30%).

Während der anfänglichen Therapie traten keine Todesfälle auf. Jedoch verstarb ein Patient mit schwerer Hämophilie A aus ungeklärten Gründen 36 Monate nach dem akuten Koronarsyndrom, während er eine Therapie mit Acetylsalicylsäure erhielt.

Das Fazit der Autoren: Akute Koronarsyndrome treten selbst bei relativ jungen hämophilen Männern auf, typischerweise im Zusammenhang mit mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren. Die Wiederöffnung des verschlossenen Gefäßes mit perkutaner Koronarintervention ist machbar.

Hemmer der Thrombozytenaggregation plus Sekundärprophylaxe scheinen bei ausgewählten hämophilen Männern mit einem akuten Koronarsyndrom gut verträglich zu sein.

Quelle: Haemophilia 2015; online erschienen am 17.02.2015; dx.doi.org/10.1111/hae.12652