Neuer Ansatzpunkt für Hepatitis-C-Therapie entdeckt
HEIDELBERG (BIERMANN) - Hepatitis C-Viren brauchen das Enzym Phosphatidylinositol-4-Kinase-III-alpha (PI4KIIIa), um sich in der Leber vermehren zu können. Die Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg um Dr. Volker Lohmann, Arbeitsgruppenleiter in der Abteilung Molekulare Virologie, und Professor Ralf Bartenschlager, Leitender Direktor der Abteilung, haben mit dieser Erkenntnis eine Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien geschaffen. Die Studie dazu wurde in der Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift "Cell, Host and Microbes" veröffentlicht.
Enzym PI4KIIIa spielt neben vielen anderen Faktoren bei der Virenvermehrung eine Rolle. Bisher war unbekannt, welche der beiden Eiweißformen alpha oder beta dabei ausschlaggebend sind. Mit dieser Studie konnte gezeigt werden, dass die alpha-Form des Enzyms ein zentrales Element in der HCV-Vermehrung ist.
Das Enzym PI4KIIIa sorgt in der Leberzelle für die Produktion eines Botenstoffs, das sogenannte Phophatidylinositol-4-phosphat (PI4P). "Wir stellen uns folgendes Modell vor", erklärt Lohmann. "Das Virus rekrutiert das Enzym PI4KIIIa in der Leberzelle an die Stelle, wo die Virenvermehrung stattfindet, und aktiviert es dort. Das Enzym PI4KIIIa produziert daraufhin große Mengen des Botenstoffs PI4P, der für die Virusvermehrung unabdingbar ist."
Enzyme sind attraktive molekulare Ziele für neue Medikamente. "Mit einem Medikament, das PI4KIIIa hemmt, wäre es vielleicht in Zukunft möglich, nicht nur die Virusvermehrung zu stoppen, sondern auch die Krebsentstehung in der Leber erfolgreich zu verhindern", verkündet Bartenschlager.
Die WHO geht davon aus, dass weltweit etwa 170 Millionen Menschen an einer chronischen HCV-Infektion leiden. Die Übertragung der Hepatitis-C-Viren erfolgt vorwiegend über Blut und Blutprodukte, wie es in der Vergangenheit bei kontaminierten Hämophilie-Faktorpräparaten vorgekommen ist. Der Infektionsweg ist allerdings bei rund 30 Prozent der Patienten unbekannt. Es gibt noch keine Impfung gegen Hepatitis C. Bisherige Therapien schlagen nur zu 50 Prozent an und haben zahlreiche Nebenwirkungen.
Quelle: Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
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