Ersatz von Hüfte und Knie bei Hämophilie fast so erfolgreich wie bei Gesunden
GRONINGEN (BIERMANN) - In einer aktuellen Studie haben niederländische Forscher untersucht, ob ein neues Knie- oder Hüftgelenk bei hämophilen Patienten mit demselben Erfolg implantiert werden kann wie bei Menschen ohne Hämophilie.
Dazu verglich das Team um T. Sikkema vom Universitair Medisch Centrum Groningen rückblickend den Erfolg von 21 Knie- und 6 Hüftgelenksimplantationen bei hämophilen Patienten mit 42 Knie- und 12 Hüftgelenksimplantationen bei nicht hämophilen Patienten.
Die Patienten wurden einander je nach des Art der Gelenkoperation (Arthroplastik), Jahr der Operation und Alter passend zugeordnet. Die Forscher machten sich dann ein Bild vom Blutverlust, der Infektionsrate und dem Überleben des Implantats, d.h., ob es an Ort und Stelle blieb oder wieder herausgenommen werden musste. Außerdem wollten sie von den Patienten wissen, wie diese die Funktion ihres neuen Gelenks beurteilten.
Ein großer Unterschied zwischen den beiden Gruppen zeigte sich bei Hämarthrosen: Sie traten bei 14 (52 Prozent) der 27 Arthroplastiken in der hämophilen Gruppe auf. In der Kontrollgruppe gab es hingegen nur vier Blutungen bei 54 Arthroplastiken (sieben Prozent). Alle Blutungen betrafen die Kniegelenke.
Infektionen traten in der Hämophilie-Gruppe nur in zwei Fällen auf (sieben Prozent). In beiden Fällen waren Kniegelenksimplantationen betroffen. In der Kontrollgruppe gab es hingegen sieben Infektionen (13 Prozent), von denen sechs nach Kniegelenksimplantationen auftraten.
Am Ende der Beobachtungsphase waren von den neuen Gelenken bei den hämophilen Patienten bis auf ein Kniegelenk alle noch an Ort und Stelle (96 Prozent). In der Kontrollgruppe war das nur bei 44 implantierten Gelenken der Fall (81 Prozent). In dieser Gruppe hatten acht künstliche Kniegelenke nicht "überlebt".
Danach befragt, was sie von der Funktion halten, urteilten die hämophilen Patienten bei 22 von 27 neuen Gelenken mit "gut" (81 Prozent insgesamt, 76 Prozent in bezug auf die künstlichen Kniegelenke). Die Kontrollpatienten gaben 40 von 54 neuen Gelenken diese Note (74 Prozent; 71 Prozent in bezug auf die künstlichen Kniegelenke).
Damit erlitten die hämophilen Patienten zwar mehr Hämarthrosen, aber nicht mehr Infektionen als ihre nicht hämophilen Pendants. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wiesen sie zudem eine ausgezeichnetes Überleben ihrer künstlichen Gelenke auf.
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