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14.12.2007

Drähte aus Luft


Kabellose Technologien im Haushalt

Drahtlos ins Internet: Access-Points gehören nicht ins Schlafzimmer
Drahtlos ins Internet: Access-Points gehören nicht ins Schlafzimmer
Mit Bluetooth, WLAN und DECT sind schon drei drahtlose Verbindungen im Haushalt allgegenwärtig. Da bleibt die Frage nach möglichen Gefahren für die Gesundheit durch die verursachten Strahlen nicht aus. Doch die Einschätzungen gehen auseinander, Studienergebnisse widersprechen sich.

Wireless LAN (WLAN), Bluetooth, schnurloses Telefon, Radio hören über das Internet: wo früher Dutzende von Kabeln lagen, propagieren die Hersteller von Unterhaltungselektronik heute das drahtlose Haus. Praktisch ist es natürlich schon. Keine verhedderten Kabel mehr, telefonieren wo man will, Weihnachtsgeschenke mit dem Notebook im Bett bestellen. Drahtlose Technologien haben sich nicht zuletzt deshalb schnell und flächendeckend durchgesetzt, weil sie so bequem sind. Ohne Kabel kann man Telefon und Netzwerk nutzen, wo man will, und das ist in der Regel nicht da, wo der Architekt Anschlüsse in der Wand vorgesehen hat. Klar, dass da ein Telefon zum in die Tasche stecken und ein Laptop, der sich per WLAN überall in Reichweite des Access-Point mit dem Internet verbindet, hoch im Kurs steht. Wie sich die Nutzung von WLAN im Haushalt entwickelt, zeigt leider keine Studie, doch im Unternehmensbereich weist eine regelmäßige Analyse der Firma iPass bei der Nutzung von Hot-Spots, also den öffentlichen WLAN-Zugangspunkten, jedes Jahr eine Verdoppelung der Nutzer auf. Mobile Telefone nach dem DECT-Standard gehören ohnehin schon lange zum gewohnten Bild in praktisch jedem Haushalt. Inzwischen ist mit Bluetooth noch eine weitere Strahlungsquelle dazu gekommen. Bluetooth wird eingesetzt, um Handys mit Zubehör wie Freisprechanlagen oder dem Computer zu koppeln. Und der nächste Kabelersatz - Wireless-USB - steht schon in den Startlöchern. Er soll die Verbindung von Fernseher, Stereoanlage und Computer per Funk übernehmen.


Wer hat Angst vor Wireless?

Drahtlos weltweit: Je weniger ein Handy strahlt, desto besser
Drahtlos weltweit: Je weniger ein Handy strahlt, desto besser
Die Frage, ob drahtlose Technologien schädlich sind, ist so alt, wie die Technologien selbst. Schon seit dem Aufkommen der ersten Mobiltelefone gibt es eine Fraktion der, zum Teil, erbitterten Gegner, die sich gegen jede neue Sendestation im Ortsgebiet stemmen. Aber auch ohne aktiven Widerstand ist die Angst vor den unsichtbaren Strahlen weit verbreitet. In einer repräsentativen Emnid-Umfrage, die im Auftrag des Magazins "Zeit Wissen" 2006 unter 1003 Personen durchgeführt wurde, gaben über die Hälfte der Befragten an, sie glaubten, Handystrahlung stelle ein gesundheitliches Risiko dar. Dass der Mobilfunk den Körper beeinflusst, gilt als gesichert. Die Strahlung von Handys erwärmt nachweislich das Körpergewebe. Allerdings fehlt bis dato noch jeder Nachweis, dass dieser Effekt zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit führt. So gibt es eine Reihe von Studien, die eine schädliche Wirkung elektromagnetischer Felder auf den Organismus nachweisen. Aber es gibt auch eine Reihe von Studien, die keine Beeinträchtigung feststellten. Einige Ärzte vermuten, dass die vermehrte Strahlenbelastung für die Zunahme diverser Krankheiten in der Bevölkerung, angefangen bei chronischer Müdigkeit über Kopfschmerzen bis hin zu Krebs verantwortlich ist. Bewiesen ist das jedoch nicht, und Strahlung entsteht auch durch andere Quellen, auf die man als Normalbürger keinen Einfluss hat. Radiosender und Hochspannungsleitungen in unmittelbarer Umgebung von Wohngebieten sind in den letzten Jahren immer wieder ins Gerede gekommen. Und die Mikrowelle in der Küche ist ein Strahlenherd erster Güte, vor allem ältere Geräte, bei denen die Türdichtung nicht mehr richtig schließt. Die Strahlungsintensität einer Mikrowelle liegt um eine Größenordnung höher, als bei jedem WLAN-Access-Point.

Unstrittig ist: Funksysteme erzeugen Strahlung. Und nicht alle Menschen reagieren gleich empfindlich auf die elektromagnetischen Wellen. Darum ist es wichtig, dass Grenzwerte etabliert, eingehalten und Produkte den Vorzug bekommen, die diese Werte unterschreiten. Das ist bei drahtlosen Netzwerken am schwierigsten umzusetzen. Grenzwerte gibt es zwar, sie liegen bei 100 bis 1000 Milliwatt (mW) abhängig von Frequenz und Einsatzbereich. Doch die tatsächliche Leistung hängt von der Entfernung zwischen Basisstation und Computer ab, je weiter die beiden auseinander liegen, desto stärker müssen die Sender abstrahlen. Eine Möglichkeit ist es, die ganz aktuellen Access-Points mit MIMO-Technologie zu nutzen. Diese Geräte besitzen mehrere Antennen und können auch Reflektionen durch Wände und andere Flächen ausnutzen, um die Sendeleistung bei gleich bleibender Reichweite zu drosseln.

Auch bei Bluetooth gibt es unterschiedliche Sendestärken. Der verwendete Frequenzbereich liegt zwischen 2400 und 2480 Megahertz (MHz), die Leistung liegt zwischen einem Milliwatt bei Klasse I und 100 Milliwatt bei Klasse III. Headsets nutzen Klasse I mit einer Reichweite bis etwa 10 Meter, Geräte mit Klasse III sind selten, weil hohe Sendeleistung auch hohen Stromverbrauch bedeutet und damit dem Einsatz als mobiles Gerät entgegen läuft. Wie hoch die tatsächlich abgestrahlte durchschnittliche Leistung ist, hängt vom Betriebszustand und von der zu übermittelnden Datenmenge ab. Sie liegt deutlich unter den maximalen Sendeleistungen der einzelnen Klassen.


Grenzwerte unterschritten

Drahtlos im Haus: Schnurlos telefonieren mit dem DECT-Telefon
Drahtlos im Haus: Schnurlos telefonieren mit dem DECT-Telefon
Zumindest bei WLAN und Bluetooth sind Maßnahmen zum Schutz vor der Strahlung nicht nötig. Grundlage für die Beurteilung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch hochfrequente elektromagnetische Felder ist die Spezifische Absorptionsrate (SAR). Sie beschreibt, welche Menge der Strahlungsleistung (gemessen in Watt (W); 1 W = 1000 mW) vom menschlichen Körper (kg) aufgenommen wird. Die maximal zulässige SAR beträgt 0,08 W/kg für den ganzen Körper und 2,00 W/kg für Teile des Körpers, zum Beispiel für den Kopf. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) angibt, bleiben die erreichten Belastungen bei WLAN und Bluetooth weit unterhalb der SAR-Grenzwerte. Deutschland geht allerdings - im Vergleich mit anderen Ländern - großzügig mit seinen Grenzwerten um. In Italien oder der in Schweiz sind die Grenzwerte um ein Hundert- oder gar Tausendfaches niedriger angesetzt. Auch bei Handys gelten die SAR-Grenzwerte des BfS und je weiter das Handy von den Limits entfernt bleibt, desto besser. Das liegt daran, weil der Mobilfunk mit gepulsten Feldern arbeitet. Diese Wechselwirkung gilt als gefährlicher als eine durchgehende, homogene Strahlung. Die SAR-Werte von einigen Hunderten von Handys werden regelmäßig vom Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht und liegen zwischen etwa 0,102 W/kg und 1,94 W/kg (Stand 2006). Der SAR-Wert von Handys muss vom Hersteller nach DIN EN 50360 ermittelt und angegeben werden. Eine weitere, sehr aktuelle Quelle für die Handy SAR-Werte ist das Online-Portal Xonio. Hier finden Sie das Strahlungsranking.

Eine kleine, aber immens wichtige Gruppe stellt einen Sonderfall beim Schutz vor Strahlung dar: die Träger eines Herzschrittmachers. Sie müssen generell Abstand zu Strahlungsquellen halten, zum Beispiel einem halben Meter zu einem Elektroherd mit Induktionskochfeldern und mindestens 20 Zentimeter zu Handys. Auch Bohrmaschinen sollten diese Risikogruppe nicht benutzen, da starke Elektromotoren ebenfalls beim Betrieb beachtliche Störstrahlungen erzeugen und an die Umgebung abgeben. WLAN, Handy und Konsorten sind also bei weitem nicht die einzigen Strahlungsquellen im Haushalt.


Tipps für die Vorsorge

Auch wenn die in Deutschland zugelassenen und verkauften Geräte unterhalb der Grenzwerte liegen, können empfindliche Personen die Strahlungsbelastung weiter reduzieren.

Im Schlafzimmer, noch dazu in Kopfhöhe, sollten keine WLAN- oder DECT-Basisstationen aufgestellt werden, auch das Handy oder schnurlose Telefon gehört nichts dauerhaft ins Schlafzimmer.

Aktuelle Geräte strahlen weniger als alte. Zum einen verfügen sie über eine effizientere Technik, zum anderen schalten solche Geräte die Sendeanlage ab, wenn sie nicht gebraucht werden.

Aktuelle Router können meist über die Benutzeroberfläche zu bestimmten Zeiten in einen "Schlafmodus" versetzt werden.

Wer auf den Komfort verzichten kann, sollte statt WLAN ein Netzwerkkabel nutzen. Router haben in der Regel vier Anschlüsse für Computer eingebaut. Auch das DECT-Telefon lässt sich oft durch ein schnurgebundenes Modell mit längerem Kabel austauschen.

Empfehlenswert beim Telefonieren mit dem Handy ist ein Headset, so erhöht sich der Abstand des Telefons zum Körper. Im Auto ist ohnehin eine Freisprechanlage vorgeschrieben. Man sollte auch eine externe Antenne verwenden, um die Sendeleistung aus dem abgeschirmten Autoinneren zu transportieren.

Fest eingebaute Freisprechanlagen im Auto, die sich mit dem Handy per Bluetooth verbinden, nutzen nicht die externe Antenne. Lieber den Adapter mit festem Anschluss verwenden, auch wenn das teurer ist.

Ersetzen Sie Röhrenmonitore durch Flachbildschirme.




Weitere Infoquellen

Verbraucherzentrale Niedersachsen
www.vzniedersachsen.de
Ratgeber Mobilfunk (Kosten EUR 5,10)

VBG (Gesetzliche Unfallversicherung)
www.hvbg.de
Funkanwendungen im Alltag

Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM)
www.bitkom.org
Infopapier WLAN

Informationszentrum Mobilfunk (pro Mobilfunk)
www.izmf.de
Mobilfunk und Gesundheit - Eine Information für Eltern

Infozentrale Bürgerwelle (contra Mobilfunk)
www.buergerwelle.de





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