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14.11.2007
Trau schau wem - Gesundheitsinformation online
Stimmt's oder stimmt's nicht?
Wer in Google den Begriff Hämophilie eingibt, erhält innerhalb von 0,11 Sekunden über 300.000 Treffer. Darunter sind Informationsseiten, aber auch Hersteller, Informationen aus dem Online-Lexikon Wikipedia und Diskussionsforen. Eine wunderbare Fülle an Informationen, in der leider auch schnell der Überblick verloren geht. Wer die richtigen Webseiten besucht, kann jede noch so gegensätzliche These belegen. Die Qual der Wahl bedeutet bei der Suche nach Informationen im Internet nicht nur, die richtigen Daten zu finden, sondern die gefundenen Informationen inhaltlich zu bewerten. Stimmt's oder stimmt's nicht?
Eine Studie der Berliner Humboldt-Universität unter Krebspatienten hat gezeigt, dass fast die Hälfte der Befragten das Internet als Unterstützung heranzog, um sich für eine Therapie zu entscheiden. Meistens bestärkten die online gefundenen Informationen die Patienten in ihrer Wahl, eher selten führten sie zu einer anderen Entscheidung. "Das Internet wird von Betroffenen eher als Sicherheitsnetz genutzt, als Werkzeug, mit dessen Hilfe man sich vergewissern kann, dass man die richtigen Schritte im Behandlungsprozess geht", so Silke Kirschning, eine der Autorinnen der Studie. Die ärztliche Befürchtung, dass Patienten durch die Internetnutzung therapeutische Maßnahmen ablehnen oder dem Arzt über Gebühr widersprechen, bestätige sich nicht. Knapp die Hälfte der Befragten fühle sich jedoch durch die Vielzahl der Informationen überfordert, viele nennen ein Gefühl der Unsicherheit, wenn Inhalte mehrere Interpretationen nahe legen.
Siegel und Checklisten
Um Patienten eine Richtlinie zu geben, welchen Informationen sie trauen können, gibt es eine Vielzahl von Checklisten und Siegeln im Internet.
 | | Das HON-Logo gibt an, ob eine Website zertifiziert ist. Bei einem Klick muss sich ein Fenster mit der Bestätigung öffnen. | Eines der bekanntesten ist Health-on-the-Net (HON). Hinter dem Siegel steht eine seit 1995 aktive Stiftung mit Sitz in der Schweiz, die Informationsquellen im Internet nach festgelegten Kriterien zertifiziert. Auch wer nicht sattelfest im Englischen ist, sollte sich von der Hauptseite www.hon.ch nicht abschrecken lassen. Die Seite ist bisher zwar nur in Englisch, Französisch, Spanisch und Chinesisch verfügbar, doch es gibt eine deutsche Suchmaschine für medizinische Informationsseiten. Sie zeigt zu den Suchbegriffen auf Wunsch nur deutschsprachige, HON-zertifizierte Angebote, an. Über eine News-Suche lassen sich zu bestimmten Themen die neuesten Meldungen finden, auch Konferenzen und Bilder sind über die Datenbank zugänglich - dies allerdings nur in Englisch.
 | | Das AFGIS-Logo trägt das Jahr der Zertifizierung im Namen. Mit einem Klick lässt sich die Gültigkeit testen. | In Deutschland vergibt das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) e.V. jährlich das AFGIS-Logo. Das Projekt ist aus dem vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten und von der Bundesvereinigung für Gesundheit e.V. durchgeführten Projekt "Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) - Entwicklung und Erprobung von Grundlagen und Strukturen für ein qualitätsgesichertes Gesundheitsinformationsnetzwerk im Internet" hervorgegangen. Auch auf dieser Website (www.afgis.de) finden sich News und eine Liste der mit dem Logo ausgezeichneten Angebote.
Das Portal www.patienten-information.de ist eine Initiative des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ). Hier finden Patienten nicht nur zertifizierte Informationen auf einen Blick. Die Seite enthält auch Gesundheitsinfos, Patientenschulungen, Literatur, Links zu geprüften englischsprachigen Informationen sowie Kontakte zu Selbsthilfegruppen, Patientenberatungsstellen und Verbraucherzentralen. Diese Website prüft Informationen nach einem weiteren Qualitätsstandard, den DISCERN-Kriterien. Sie sind unter www.discern.de auch für Patienten zugänglich.
Erst schauen, dann klicken, dann trauen!
Doch auch wenn ein Logo auf der Website zu finden ist, lohnt sich eine letzte Prüfung: "Es ist schon vorgekommen, dass sich Webmaster ein Gütesiegel mit der rechten Maustaste selbst verliehen haben", warnt Dr. Sylvia Sänger, zuständig für die Bereichsleitung Medizinische Information / Patienteninformation bei ÄZQ. Es ist einfach, die Bilddateien von den Webseiten herunterzukopieren und auf der eigenen Seite einzubauen. Doch genauso einfach ist der Test, ob alles mit rechten Dingen zugeht: Bei korrekt zertifizieren Seiten sind die Logos aktiv; nur wenn sich beim Klick auf das Logo ein neues Fenster öffnet, in dem die ausgebende Stelle bestätigt, dass der Anbieter zertifiziert wurde, kann der Patient der Website vertrauen.
Sicher gehen können die Patienten beim Portal www.klinik-lotse.de. Das Internetportal der Ersatzkassen ermöglicht die Recherche nach einer geeigneten Klinik auf Basis der von den Krankenhäusern veröffentlichten Quartalsberichten. 2055 Kliniken sind in der Datenbank der Website enthalten, die Suchkriterien reichen von Basisdaten wie Bettenzahl und Geräteausstattung bis hin zu sensiblen Themen wie Operationsarten und deren Sterblichkeits- und Komplikationsraten von verschiedenen Operationsarten. Diese Transparenz war der Stiftung Warentest im November 2007 die Gesamtnote "gut" wert. Das Portal erhielt damit die beste Note unter den 14 getesteten Internetseiten.
Online-Forum statt Selbsthilfegruppe
Zu medizinischen Themen gibt es unzählige Selbsthilfegruppen, in denen sich Patienten gegenseitig Ratschläge geben, Fragen beantworten und Erfahrungen austauschen. Für Menschen, die sich an keine Selbsthilfegruppe wenden können oder wollen, ist das Internet eine gute Alternative. Denn unabhängig von der medizinischen Information ist es für viele Betroffene hilfreich, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und zu wissen, dass sie mit ihrem Krankheitsbild nicht alleine sind. "Doch mit medizinischen Ratschlägen, die in solchen Foren gegeben werden, sollte man vorsichtig umgehen", rät Sänger, "auch hier gibt es gute und schlechte Angebote." Neben speziellen Gesundheitsforen wie Gesundheit.de bieten auch große Nachrichtenportale wie Focus.de Foren zu Gesundheitsthemen an.
Prüfkriterien für die Praxis
Egal auf welcher Website sich ein Patient informiert, folgende Fragen sollte er sich auf jeden Fall stellen:- Wer hat die Information online gestellt?
- Welche Qualifikation hat der Autor?
- Wie aktuell sind die Daten?
- Wer finanziert diese Information/Website?
- Mit wem kooperiert diese Website/ist sie vernetzt?
- Wie erklärt die Website den natürlichen Krankheitsverlauf und die Auswirkungen der Behandlung auf das tägliche Leben?
Zusätzlich ist wichtig, dass Werbung und redaktioneller Inhalt auf einer Seite klar getrennt sind - es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Hersteller ihrer Medikamente bewerben, solange der Nutzer dies klar erkennen kann. Wenn der Nutzer seine Daten - z.B. zur Anmeldung in einem Forum - eintragen soll, muss der Betreiber deutlich über seine Datenschutz-Politik informieren. Positiv zu bewerten sind auch Webseiten, die verschiedene Behandlungsmethoden erklären sowie Unsicherheiten, z.B. über noch laufende Studien, deutlich darstellen. Neben dem Nutzen sollten auch die Risiken der empfohlenen Behandlung deutlich erklärt werden. Dennoch bleibt eine Unsicherheit: Es ist kaum möglich herauszufinden, ob die Information wirklich auf dem neuesten Stand ist.
Arztpraxis bleibt die erste Wahl
Trotz aller Vorteile des Internet kann die Online-Information den Gang zum Arzt nicht ersetzen. Bei schweren Krankheiten sollten zudem immer mehrere Meinungen eingeholt werden. Ein partnerschaftlich arbeitender Arzt wird einen informierten Patienten schätzen - solange er nicht überinformiert oder gar falsch informiert ist. Wer jetzt noch nach einer guten Arztpraxis sucht, kann ebenfalls im Internet damit anfangen: Eine Checkliste (www.patienten-information.de) zur Frage, wie man eine gute Arztpraxis erkennt, steht als PDF-Datei beim ÄZQ online.
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