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08.11.2007

Reisepass mit Fingerabdrücken


Biometrie auf dem Vormarsch

Flachmann: der Funkchip ist zwischen den Seiten des ePass eingebettet.
Flachmann: der Funkchip ist zwischen den Seiten des ePass eingebettet. (Quelle: BMI)
Ein Reisepass ist ein sehr persönliches Dokument. Seit Anfang November gilt das umso mehr, denn dann muss jeder Antragsteller seine Fingerabdrücke auf dem elektronischen Chip im Inneren des Passes speichern lassen. Das bringt mehr Sicherheit - aber auch Bedenken von Seiten der Datenschützer.

Seit 2005 ist der Reisepass in Deutschland ein High-Tech-Dokument. Im Inneren des roten Ausweisdokuments ist ein dünner, elektronischer Chip untergebracht, der bestimmte persönliche Daten - unter anderem Geburtsdatum, Name und ein elektronisches Foto - speichert. Damit soll die Sicherheit vor Nachahmungen erhöht werden, denn Fälscher müssen nun nicht nur den "Papierteil" des Ausweises nachbauen, sondern auch den Chip korrekt integrieren und mit digitalen Inhalten füllen. Dieser Chip, zusammen mit den anderen Merkmalen, macht deutsche Ausweise zu den fälschungssichersten der Welt. Seit dem 1. November 2007 wurde die Messlatte noch einmal höher gelegt. Nun wandern auch die digitalisierten Abdrücke der beiden Zeigefinger mit auf den Chip. Die Kosten bleiben bei 59,- Euro für ein zehn Jahre gültiges Dokument, bereits ausgestellte Pässe werden nicht nachgerüstet und bleiben auch ohne Fingerabdrücke gültig. Nachrüsten funktioniert schon aus technischen Gründen nicht, denn der Chip wird nach der Ausstellung elektronisch versiegelt und kann nicht mehr verändert werden.


Schmutzige Finger sind passé

Jetzt auch mit Fingerabruck: Seit 1. November 2007 enthalten ePässe auch digitale Fingerabdrücke des Inhabers.
Jetzt auch mit Fingerabruck: Seit 1. November 2007 enthalten ePässe auch digitale Fingerabdrücke des Inhabers. (Quelle Stock.xchg)
Die Szene kennt jeder aus dem Fernsehen: Verbrecher stehen vor dem Tisch des Polizeibeamten und drücken ihre Finger auf ein Stempelkissen. Doch tintenverschmierte Finger muss niemand befürchten, der einen Reisepass beantragt. Heute legt man dazu seine Finger auf die Glasscheibe eines elektronischen Lesegeräts, einen Scanner, der die Abdrücke mit einer Art Kamera aufnimmt und im Computer ablegt. Jeder Finger wird drei Mal gescannt, der Computer wählt automatisch die beste Aufnahme aus. Sollten sich die Zeigefinger nicht für einen Abdruck eignen, sind auch andere Finger möglich. Nur die kleinen Finger der Hand eignen sich nicht für den Scan. Der ganze Vorgang dauert nicht länger als eine oder zwei Minuten, Wartezeiten muss niemand aufgrund der Prozedur einkalkulieren.

Kinder sind übrigens von der Vorgabe ausgenommen, erst Jugendliche ab zwölf Jahren bekommen einen ePass mit digital gespeicherten Fingerabdrücken und Foto. Falls es die Eltern ausdrücklich verlangen, kann die Passbehörde trotzdem die Fingerabdrücke abnehmen, allerdings nur, wenn die Kinder älter als sechs Jahre sind.


Was tun bei Verletzungen?

Hände sind für viele Menschen ein Arbeitsmittel, Verletzungen der Hautoberfläche nicht selten. Sollten sich die Fingerkuppen aufgrund einer Verletzung nicht für die Abnahme von Abdrücken eignen, kommt es auf die Dauer der Genesung an. Ist die Einschränkung nur vorübergehend, zum Beispiel bei einem komplett eingegipsten Arm, wird die Beantragung einfach verschoben. Der Termin kann bis zu drei Monate nach hinten verlegt werden. Brauchen Sie trotzdem auf die Schnelle einen Ausweis, stellt die Passbehörde einen vorläufigen Reisepass aus. Bei einer langfristigen medizinischen Einschränkung, wenn eine Hand amputiert wurde oder bei einer anderen permanenten Behinderung, wird entweder nur ein Fingerabdruck genommen oder ein regulärer ePass ausgestellt, der nur das digitalisierte Foto enthält. Gibt es keinen medizinischen Grund, sind die Fingerabdrücke allerdings Pflicht. Wer seine Abdrücke nicht abgibt, erhält keinen Reisepass. Eine Ausnahme stellen Diplomaten dar. Wegen der "besondern Gefährdungslage" dieser Personen erhalten sie einen Ausweis komplett ohne digitalen Chip.


Datenschützer warnen

High-Tech im Miniformat: RFID Funk-Chips sind winzig klein und speichern viele Daten.
High-Tech im Miniformat: RFID Funk-Chips sind winzig klein und speichern viele Daten. (Quelle: Infineon)
Schon seit die Pläne für einen digital und per Funk auslesbaren Reisepass bekannt wurden, warnen Datenschützer vor den Sicherheitslücken, die sich dadurch - theoretisch - auftun. Vor allem die Tatsache, dass die Pässe ihre Daten per Funk abstrahlen, erregt die Besorgnis der Kritiker. Nach wie vor gelten die Pässe und darin verbauten Chips als sicher, auch wenn es in den vergangen zwei Jahren einige Angriffe auf das Konzept der Funkchips gab. Damit konnten allerdings nur Daten die der Angreifer ohnehin schon kennt ausgelesen werden, eine Manipulation war und ist nicht möglich. Trotzdem weisen die Datenschützer darauf hin, dass der Sicherheitsgewinn durch das biometrische Merkmal digitaler Fingerabdruck "nicht messbar" sei. Schon seit das Passbild elektronisch gespeichert wird, gelten die Ausweise als absolut fälschungssicher.

Dazu kommt, dass die Daten nicht zentral in einer Behörde gespeichert werden. Die Fotos liegen wie bisher im örtlichen Passregister, die Fingerabdrücke sind nur auf dem Pass hinterlegt. Wer sich wegen der Funk-Eigenschaften des Passes Sorgen macht, der kann eine Schutzhülle aus Metall verwenden. Diese Hüllen schirmen die Funksignale des Passes wirkungsvoll ab, solange er in der Tasche herum getragen wird.


Der ePass im Überblick

Geht es auch ohne ePass?
Ja, für Reisen innerhalb der EU genügt der Personalausweis

Werden die alten, nicht mit Chip ausgestatteten Pässe ungültig?
Nein, Reisepässe behalten Ihre Gültigkeit bis zum vorgesehenen Ablaufdatum im Pass.

Welche Daten speichert der Chip?
Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Seriennummer, ausstellender Staat, Dokumententyp und Gültigkeitsdatum sowie das Passfoto und zwei Fingerabdrücke.

Wo gibt es weitere Informationen?
Unter www.epass.de findet man ein umfangreiches Informationsangebot zum ePass inklusive Kurzfilm und Downloads der neuen Foto-Mustertafel und Passbild-Schablone.

Wer beantwortet Fragen?
Fragen zur (Sicherheits-)Technik im ePass beantwortet das Service-Center des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik.
Telefon: 01805 274-300 (8-17 Uhr für 12 Cent pro Minute)
E-Mail: ePass@bsi.bund.de





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