Wissenswertes



25.01.2010

Minimierung von Gefahrensignalen zu Beginn reduziert Hemmkörper-Bildung

MÜNCHEN (BIERMANN) - In einem Pilot-Projekt haben Forscher vom Dr. von Haunerschen Kinderspital, München, ein Prophylaxe-Regime entwickelt, das die Bildung von Hemmkörpern senkt. Diese Ergebnisse sollten allerdings noch in einer größeren Studie bestätigt werden, schreiben sie.

Hemmkörper oder Inhibitoren stellen bekanntlich die problematischste Komplikation der Therapie der Hämophilie A dar. "Das höchste Risiko für die Entwicklung von Inhibitoren besteht in den ersten 20 Expositionstagen", erläutert das Team um K. Kurnik in seiner Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Haemophilia. In Umgangssprache übersetzt bedeutet das "an den ersten 20 Tagen, an denen der Patient mit dem Faktor VIII in Kontakt kommt".

Wenn der Patient durch diese Hoch-Risiko-Phase gebracht werden kann, ohne Inhibitoren zu entwickeln, sei das Risiko in der Folge gering, erläutert das Forscherteam.

Daher entwickelten sie ein Prophylaxe-Regime für die ersten 20 bis 50 Expositionstage, das speziell darauf abgestimmt war, das Immunsystem dazu zu bringen, dass es den verabreichten Faktor VIII toleriert (Fachleute sprechen von "Toleranz induzieren").

Zudem sollte die Hemmkörper-Bildung dadurch minimiert werden, dass sogenannte immunologische Gefahrensignale vermieden wurden. Es gibt nämlich die Theorie, dass wenn gleichzeitig mit der anfänglichen Faktor VIII-Gabe Gefahrensignale vom Immunsystem registriert werden, dieses mit Antikörpern gegen Faktor VIII reagiert.

Die Münchener Mediziner behandelten 26 Patienten mit schwerer Hämophilie A, die zuvor nicht behandelt worden waren, mit dem neuen Prophylaxe-Regime. Diese Gruppe verglichen sie mit einer Kontrollgruppe aus 30 ebenfalls zuvor unbehandelten Patienten, die das Standard-Prophylaxe-Regime zum Schutz der Gelenke (40-50 IU pro kg dreimal pro Woche) erhalten hatten. Dabei gab es keine nennenswerten Unterschiede zwischen Probanden und Kontrollpersonen.

Die Auswertung zeigte, dass 14 der 30 Patienten, die die Standardprophylaxe erhielten Hemmkörper entwickelten, aber nur einer von 26 Patienten, die das neue Regime erhielten. Worin genau die Vermeidung der Gefahrensignale bestand, verrät die Zusammenfassung der Studie leider nicht.

Quelle: Haemophilia. 2009 Oct 29. [Epub ahead of print]

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