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26.03.2008
Unerwünscht und gefährlich: Spam
Jeder kennt sie, keiner will sie und doch verstopfen sie zu Dutzenden die Posteingänge auf den PCs - unerwünschte Werbemails, gemeinhin auch Spam genannt. Um Spam ranken sich Mythen und Legenden, die ersten Nachrichten dieser Art sind fast 30 Jahre alt. Grund genug, den Ursprüngen der lästigen E-Mails und den Motivationen der Sender hinterher zu spüren.
Sie gelten als moderne Geißel, als die Nemesis des Internetzeitalters - die Spam-Mails. Praktisch jedes E-Mail Postfach der Welt erhält im Lauf des Tages mindestens eine Spam-Mail. Wenn man sich im Internet stark engagiert und auf vielen Webseiten und Foren aktiv ist, kann die Zahl der Spams leicht in die Hunderte gehen. Kein Wunder, denn der Anteil von Spam am täglichen, weltweiten Mailaufkommen ist extrem hoch. Je nach Studie schwanken die Zahlen zwischen 70 und 95 Prozent (http://www.viruslist.com). Im Jahr 2007 entsprach das einer Menge von 120 Milliarden Spam Mails - täglich. Von einer Spam-Flut zu sprechen, ist also durchaus gerechtfertigt.
 | | Unerwünscht und lästig: Spam verstopft Millionen von Mailboxen (Quelle Stock.xchng) | Im Prinzip könnte man Spam als lästige Begleiterscheinung des digitalen Lebensstils abtun. Wenn, ja wenn er nicht alle möglichen Gefahren im Schlepptau mit sich führen würde. Mindestens ein Prozent aller Spam-Mails sind mit Viren, Würmern, Trojanern oder ähnlichen Schadprogrammen verseucht. Und ein weiteres Prozent der weltweiten Mails besteht aus Phishing-Attacken, also Versuchen, über gefälschte Webseiten an Benutzerdaten zu kommen. Spam ist alles andere als ein vernachlässigbarer Effekt der zunehmenden Vernetzung. Dabei hatte alles so harmlos angefangen: die ersten belegbaren Spams gehen fast 30 Jahre zurück und waren kaum mehr als Gehversuche von Technik-afinen Menschen mit einem neuen Spielzeug. ?bereinstimmend wird Gary Thuerk als der weltweit erste Spammer genannt, auch wenn dieser Begriff damals noch nicht dafür verwendet wurde.
Der Mitarbeiter von Digital Equipment schickte am 2. Mai 1978 eine Nachricht an eine ganze Reihe von Benutzern des ARPANET. Dieses Netzwerk, dem damals vor allem Universitäten und Forschungseinrichtungen angehörten, gilt als Vorläufer des Internet. Inhalt seiner Nachricht: Digital Equipment stellt ein neues Produkt vor. Geholfen hat es anscheinend nicht, die Firma existiert schon lange nicht mehr. Auch damals war die Reaktion der meisten Empfänger "äußerst negativ", wie sich Branchenkenner erinnern (http://www.templetons.com/brad/spamreact.html). Doch schon 1978 gab es wohl den einen oder anderen Empfänger, der auf die Nachricht mit Kaufabsichten reagierte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die fortwährende Existenz von Spam hat einen einfachen Grund: er funktioniert. Der überwiegende Anteil der Nachrichten bewirbt Produkte oder Dienstleistungen: besonders günstige Kredite und Hypotheken, Heizpilze für die Terrasse, (gefälschte) Medikamente oder (raubkopierte) Software. Und obwohl man es kaum glauben mag, gibt es Menschen, die auf Spam-Mails wie gewünscht reagieren und diese Produkte kaufen. Schon 2004 lag die Provision für den Spammer für 81 Bestellungen bei gut 1500.- US Dollar. Dafür musste er 3,5 Millionen Spam-Mails versenden, ein Klacks für die meisten Spam-Unternehmer. CDs und DVDs mit fertigen Adresslisten gibt es im Internet genau so einfach zu kaufen wie die neueste Desperate-Housewifes Staffel bei Amazon. Der Tarif für 10 Millionen Adressen lag 2004 bei knapp 70.- Euro.
 | | Lohnendes Geschäft: Spam bringt den Versendern hohe Gewinne (Quelle Stock.xchng) | Selbst wenn man die Hälfte davon als Schwund, ungültig oder doppelt abzieht, bleiben 5 Millionen nutzbarer E-Mail Adressen übrig. Im Schnitt rechnet man bei amerikanischen Empfängern mit einer Erfolgsrate von 1:60 bis 1:240. Dieses so genannte Click-Through Verhältnis hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, Spam ist nach wie vor ein massiv profitables Geschäft.
 | | Das Original: Spam Dosenfleisch (Quelle Hormel Foods) | Die Gewinnspannen würde sich vermutlich auch der unfreiwillige Namensgeber wünschen, denn Spam heißt erst seit Anfang der Neunziger "Spam". Ursprünglich bezeichnet der Name ein Dosenfleisch der Firma Hormel Foods. Das Hormel Spiced Ham war im zweiten Weltkrieg ein wichtiger Bestandteil der Ernährung, sowohl von Soldaten als auch von Amerikanern zu Hause. Nach Kriegsende gab es immer mehr Nachahmer, so dass der Hersteller sein Dosenfleisch als "SPAM" benannte - als Marketingmaßnahme sozusagen. Das Dosenfleisch Spam breitete sich im englischsprachigen Ausland aus, so dass die britische Komiker- und Satiretruppe Monty Python's dem eingedosten Lebensmittel einen Sketch widmeten. Er spielt in einem englischen Pub, in dem ein Paar Essen bestellen möchte und in jedem Gericht Spam enthalten ist. Das Wort Spam wird ständig wiederholt, es kommt in den knapp zwei Minuten über 100 Mal vor. In typisch skurriler Monty Pythons Manier singt zusätzlich eine Gruppe Wikinger im Hintergrund beständig "Spam, lovely Spam". Damit liegt der Bezug von "Spam" zu einer sinnlosen, immer wiederkehrenden Sache nahe, doch erst 1993 wurde der Begriff tatsächlich im Zusammenhang mit unerwünschten Nachrichten benutzt. Der Betreiber eines Diskussionsforums im USENET hatte eine Nachricht versehentlich 200 Mal verschickt. Leser des Forums kannten offensichtlich den Sketch und nannten den Vorfall "Spam" - der Name war geboren.
 | | Legendärer Sketch: Die Monty Pythons sind der Namensgeber von Spam für unerwünschte Werbemails |
Man könnte argumentieren, dass der Administrator aus versehen handelte und deshalb der Titel Spam nicht zutrifft. Aber im darauf folgenden Jahr kam es zu zwei weiteren Vorfällen, die den heute üblichen Spam-Mails bereits sehr ähnlich sahen. Einmal wurde eine Mail mit Endzeitparolen (Global Alert for All: Jesus is Coming Soon) in allen Foren des USENET gepostet, danach warben die zwei Anwälte Canter und Siegel für Unterstützung bei der Green-Card Lottery. Ihre "Green Card Lottery - Final One?" Mail machte die beiden sehr schnell zu den damals unbeliebtesten Personen im Internet. Das störte die zwei Anwälte wenig, sie gaben später sogar ein Buch mit dem Titel "How to Make a Fortune on the Information Superhighway" heraus.
Auch heute sind Spott und Häme kein Mittel gegen die Spam-Fluten. Ein guter Filter, die Löschtaste und gesunder Menschenverstand helfen noch am ehesten. Für viele Firmen ist der Schutz vor Spam mehr als nur ein Liebesdienst für die Mitarbeiter. Spam kostet nachweislich Arbeitszeit und Produktivität, der Anbieter von Spam-Filtern Vircom schätzt, dass jährlich 1400.- US Dollar pro Mitarbeiter zusammen kommen. Wie sich Spam auf die Angestellten auswirkt, was man dagegen tun kann und einiges mehr, zeigt die Dokumentation "Spam - The Documantary" auf CBC, im Internet ist leider nur der Trailer abrufbar.
In Unternehmen sorgt die IT-Abteilung für den Schutz vor Spam und Konsorten, möglichst zentral und möglichst bevor die Mails das eigene Postfach erreichen. Doch auch für den Computernutzer zu Hause gibt es Tools und Hilfsmittel, um Angebote für billiges ****Vlagra*** und Lowest-Mortgage-Refinancing Außen vor zu lassen. Wer sein Mailkonto über einen der großen Webmaildienste wie Web.de oder Google Mail abruft, kann einen Spamfilter dazu schalten. Das ist meist kostenpflichtig, und nicht in den Free-Mail Angeboten enthalten. Das kostenlose Open-Source Mailprogramm Thunderbird enthält bereits einen ganz ordentlichen Spamfilter, auch Microsofts Outlook kann Spam aussortieren. Für Outlook, Outlook Express und eine ganze Reihe weiterer Mailprogramme gibt es zudem ein ganz hervorragendes, kostenloses Zusatzprogramm namens "Spambayes". Es erkennt nach einer Weile praktisch 100 Prozent der Spams und sortiert sie automatisch in einen Ordner oder löscht sie sofort. Der Zusatz "nach einer Weile" hat etwas mit der grundlegenden Funktionsart dieser Filter zu tun. Man muss sie zunächst mit Spam-Mails füttern, damit das Programm "lernt" welche Mails unter die Rubrik "Spam" fallen. Je mehr Mails mit ihren Spezifika in der Datenbank hinterlegt sind, desto besser klappt die Erkennung. Und die tut Not, denn von sich aus werden Spammer wohl nie aufgeben, auch wenn die Justiz mittlerweile drakonische Strafen verhängt. Der 30-jährige Spammer Daniel Linwurde am 6. September 2006 in den Vereinigten Staaten zu drei Jahren Haft und einer Geldstrafe von 10.000 US-Dollar (7.500 Euro) verurteilt. James McCalla bekam im Januar 2006 eine Schadensersatzzahlung von 11,2 Milliarden US Dollar aufgebrummt - die bisher höchste Geldstrafe für einen Spammer.
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